Rundbrief Nr. 193 – Im Dezember (2) 2022

Sehr geehrte Damen und Herren,

liebe Leserinnen und Leser!

Vor mehr als einem halben Jahrhundert geht Stefan Andres in seinen „Gedanken zur Weihnacht“ der immer aktuellen Frage nach, wie dem Menschen und der Welt geholfen werden kann. Seine Antwort führt ihn zum besonderen Selbstverständnis des Christen.

Während im Alten Testament auch die großen Verkünder und Mahner letztlich nur Beauftragte einer göttlichen Instanz waren, die wie der Prophet Jona im Andres-Roman „Der Mann im Fisch“ (1963) mit Gott rechteten und sogar vor ihm zu fliehen suchten, können Christen ihrer Bestimmung nicht ausweichen: Sie müssen sich angesichts der Menschwerdung des Gottessohnes als Brüder Christi betrachten.

Was sie aber so unendlich adelt, sollte sie zugleich mit einem metaphysischen Schrecken erfüllen. Sie würden dann nicht mehr davon ausgehen, dass schon im frommen Singen und gläubigen Feiern der Sinn des Festes der Menschwerdung Christi besteht, sondern, dass nur der den Ehrentitel Bruder verdient, der die „unbedingte Forderung des Glaubens“ (J. Klapper) nach Mitmenschlichkeit erfüllt.

In dieser eigentlichen „Menschwerdung des Menschen“ selbst besteht für Stefan Andres das Geheimnis der Weihnacht.

Für die Stefan-Andres-Gesellschaft 

mit den besten Wünschen zum Weihnachtsfest und zum neuen Jahr

Ihr

Wolfgang Keil

Anhang: Gedanken zur Weihnacht

John Klapper: „Stefan Andres, der christliche Humanist als Kritiker seiner Zeit“. Bern 1998, 216 Seiten. 

In seiner Monographie zu Werk und Leben des Schriftstellers liefert Prof. J. Klapper von der Birmingham University wertvolle Beiträge, auf die man mit Gewinn bei der Andres-Lektüre zurückgreifen kann. Sie ist zum Sonderpreis von 15 € bei der StAG erhältlich.