Rundbrief

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Rundbrief Nr. 119 – Im April 2017

 

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Leserinnen und Leser!

In Stefan Andres‘ Erzählung „Die beiden Pharaonen“ (s. Anhang) treffen die rivalisierenden Figuren Bouterwek und Giovanni aufeinander, die exemplarisch den Unterschied der Mentalitäten des Nord- bzw. des Südeuropäers verkörpern sollen.

Der sich überlegen fühlende Bouterwek beabsichtigt, die positanesische Tradition durch ein fort-schrittliches, technisch orientiertes Ordnungsdenken zu verdrängen. Dabei rechnet der „Übermensch“ durchaus mit der patriarchalischen Robustheit und Rücksichtslosigkeit des Giovanni. Und er weiß auch um die Vitalität seines Gegners. Aber er ist doch überrascht, als er Zeuge des Ausbruchs von Giovannis unbändiger Lebensfreude wird: Die sich dabei ereignende hörbare und sichtbare Verjüngung des ausgelassen Musizierenden um ein halbes Jahrhundert erweckt in dem Rationalisten Bouterwek eine an Bewunderung grenzende Verwunderung.

Das erotisierte Frühlings-Oster-Lied des berauschten Sängers Giovanni mutet heidnisch an, aber es enthält auch die christliche Botschaft: Ostern ist Befreiung aus Banden – Ostern ist Auferstehung! Und zwar ganz ähnlich wie Goethes „Osterspaziergang“: „Jeder sonnt sich heute so gern. / Sie feiern die Auferstehung des Herrn, / Denn sie sind selber auferstanden.“

In diesem Sinn wünsche ich Ihnen ein frohes Osterfest!

 

Vorankündigung:

Am 6. Mai (Sa) veranstaltet die StAG einen Stadtrundgang mit Lesungen aus dem soeben von uns herausgegebenen literarischen Stadtbegleiter „Stefan Andres und seine Roma secunda“.

Treffpunkt: 14.00 Uhr „unter“ der Porta Nigra. Anmeldungen bitte bei: Andrekastner1948@aol.com Tel.: 06502/937648 – Wokeil40@t-online.de  Tel.: 0651/67177.

 

Für die Stefan-Andres-Gesellschaft mit freundlichen Grüßen

Ihr Wolfgang Keil

 

Anhang: Auszug aus Die beiden Pharaonen von Stefan Andres.

 

 

Rundbrief Nr. 118 – Im März 2017

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Leserinnen und Leser!

In seiner Schrift „Erhabene Stadt der Trierer“ von 1949 beschäftigte sich Stefan Andres mit der Frage,

welches Wahrzeichen am ehesten zukunftsweisend sein könnte für eine Stadt mit großem römischem Erbe. Seine Wahl fällt nicht, wie man vermuten könnte, auf die Porta Nigra, sondern auf die Römerbrücke:

Und in Vorbereitung auf das neue Jahrtausend, in das Trier als ein anderes einsteigen wird und muss, sollten wir, die mannigfaltigen Wahrzeichen der Stadt vor Augen, das Schwergewicht von der Porta Nigra auf die Römerbrücke übertragen.

Seine Wahl ist begründet in dem Bestreben, vor allem in Richtung Frankreich eine Brücke der Versöhnung zu bauen, wie er das auch noch 1966 formuliert in seiner Hommage „Mein liebes, altes Trier!“

Das Symbol, das dem neuen Trier gerecht wird, ist die Römerbrücke, die mit ihren Pfeilern alle Zerstörungswut der Zeiten überstanden hat. Trier ist die nach Westen ausgestreckte Hand Deutschlands geworden. Die Stadt, die so lange im toten Schatten der Grenze lag, wird in einem Europa, das seine den Handel und Wandel lähmenden Barrieren überwindet, einen neuen Auftrieb erhalten – und vielleicht sogar einen geschichtlichen Auftrag.

Heute darf man behaupten, dass Trier seinem Auftrag gerecht geworden ist und dass es der europäischen Politik wirklich gelungen ist, Barrieren und Grenzen zu überwinden. Diese Öffnung aber kann auch und gerade im Wahrzeichen des Tores ihren symbolischen Ausdruck finden.

Das mag der Grund dafür sein, dass neuerdings das UNESCO-Welterbe „Porta Nigra“ ein Geldstück ziert, das als Euro-Münze millionenfach in den Ländern der Europäischen Währungsunion kursiert.

Man darf sicher sein: Der Europäer Andres hätte diese Hochwertung des Römertores begrüßt!

 

Für die Stefan-Andres-Gesellschaft mit freundlichen Grüßen

Ihr Wolfgang Keil

 

Rundbrief Nr. 117 – Im Februar 2017

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Leserinnen und Leser!

Die Künstler und Filmemacher Manuela Zimmer und Harald Kühr haben den ersten Dokumentarfilm über das Leben und Werk des 1929 in Kiel geborenen und 2011 in Rhöndorf/Bad Honnef verstorbenen Gesamtkünstlers Ernst Günter Hansing realisiert und produziert. Der Film zeigt alle prägenden Stationen des Lebens von Hansing und präsentiert erstmalig das ganze Spektrum seines künstlerischen Schaffens, darunter sein außergewöhnliches Porträtwerk. Die Filmemacher bezeichnen dieses als eine einzigartige Galerie von Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Kunst und geistlicher Würdenträger europäischer Dimension. Sie attestieren dem Schöpfer von Gemälden, Skulpturen und Glaskunst-werken einen vitalen Humanismus und bringen ihn damit in die Nähe von Stefan Andres.

Und so stellt denn auch der Film im Rom-Kapitel die intensiven Begegnungen von Hansing und Andres im Juni 1970 in Rom dar. Beide trafen sich in einem Zeitraum von zehn Tagen mehrfach, bis die Erkrankung von Stefan Andres ein weiteres geplantes Treffen verhinderte …

Ernst Günter Hansing. Künstler – Humanist – Europäer

Ein Dokumentarfilm (108 Minuten) von Manuela Zimmer und Harald Kühr.

    TenDirectionsMedia. DVD – € 45.00.

Günther Nicolin widmet in der von ihm kuratierten Ausstellung in Trier im Herbst 2010 dem Porträtmaler E. G. Hansing eine eigene Vitrine. Im Trierischen Volksfreund vom 4. Oktober heißt es zu diesem eindrucksvollen Andres-Gedenken:

… Der in Königswinter lebende Germanist [Günther Nicolin] hat dem Schriftsteller [Stefan Andres] zum 40. Todesjahr eine Ausstellung in der Stadtbibliothek Trier ausgerichtet. Im Mittelpunkt der aus zehn Vitrinen bestehenden Schau steht der „Deutschrömer Andres“. Die traditionelle Italienliebe der Deutschen wird eingangs an Beispielen wie Johann Wolfgang von Goethe belegt. Andres war 1961 nach Rom zurückgekehrt, wo er bis zu seinem Tod 1970 lebte. Als intellektuelles Oberhaupt der deutschen Kolonie stellt die Schau den Autor dar. Das Haus Andres wird zum internationalen Treffpunkt von Theologen und Intellektuellen während des Zweiten Vatikanischen Konzils 1962 – 1965. Andres-Freunde können den Literaten als Maler und Zeichner entdecken, einen Blick in sein Wohnzimmer werfen, den Ordensträger bewundern und sich das literarische Werk anhand ausgelegter Bücher vergegenwärtigen.

Dorothee Andres erwähnt ein Fachgespräch der Künstler E.G. Hansing und Stefan Andres in „Carpe Diem!“ Mein Leben mit Stefan Andres. – Und E.G. Hansing schrieb am Sterbetag von Stefan Andres an Dorothee Andres: „Ich habe einen väterlichen Ratgeber, der mich und mein Werk im Tiefsten auf Anhieb verstanden hat, verloren.“

Für die Stefan-Andres-Gesellschaft mit freundlichen Grüßen

Ihr Wolfgang Keil

 

Rundbrief Nr. 116 – Im Januar 2017

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Leserinnen und Leser!

Eine nicht alltägliche Rezension des Romans „Die unsichtbare Mauer“ ist im Nachwort der letzten Auflage des Romans (2013) nicht berücksichtigt worden. Dabei findet sich die Notiz in den Mitteilungen der StAG 1996 und ist auch von Prof. John Klapper (Universität Birmingham) in das Register des StAG-Jahresheftes aufgenommen worden.

Die Rezension aus der „Iswestija“ vom 16.11. 1995 in der uns vorliegenden Übersetzung:

Das Buch, das vom Verlag „Raduga“ veröffentlicht wurde, erschien in Russland dank der Hilfe der Verwaltung der Kraftwerke Mosel und einer Kreissparkasse. Der Grund: in diesen respektablen deutschen Einrichtungen sind Verehrer und Förderer des Gesamtwerks von Stefan Andres tätig.

Die Handlungen vieler seiner Bücher spielen in der von Gott gesegneten Mosellandschaft, wo die oben erwähnten Kraftwerk-Spezialisten und Kontohüter tätig sind. Sie schätzen den Dichter aus ihrer Heimat hoch.

Im Ernst: Der Verlag „Raduga“ hat die erste russische Übersetzung eines sehr bedeutenden deutschen Dichters veröffentlicht.

Andres arbeitete viel an der Versöhnung zwischen Deutschen und Franzosen, die in ihrer Geschichte so oft Krieg gegeneinander geführt haben, und thematisierte die Möglichkeiten des Menschen im Widerstand gegen die Tyrannis.

Zweimal in seinem Leben sah er sich gezwungen, Deutschland zu verlassen. Im Jahr 1937, als Andres sich weigerte, den nazistischen Machthabern den geforderten „arischen Nachweis“ zu erbringen. Und 1961, wo er offen gegen die Atombewaffnung und Aufrüstung in Deutschland seine Stimme erhob.

Im Nachwort der Neuauflage des Romans „Die unsichtbarer Mauer“ von 2013 konnte hinsichtlich der Verlegerabsicht nur spekuliert werden. Wie sich nun zeigt, waren die geäußerten Vermutungen teilweise gerechtfertigt. Dort heißt es:

Der Moskauer Regenbogen Verlag [Raduga] durfte wohl hoffen, dass „Die unsichtbare Mauer“ einen Leserkreis findet, dem es darum zu tun ist, vom tragischen Umbruch im Schicksal einfacher Menschen und von der Versöhnung ehemals feindlicher Nationen zu erfahren. Der im Vorwort erwähnte Protest des Autors Andres gegen das Wettrüsten mag den Verlag zusätzlich zur Publikation ermutigt haben.

Dass die Rezension das politische Engagement von Stefan Andres hervorhebt, überrascht nicht, aber ein Lob der Mosellandschaft hätte man sich eher erwartet im Zusammenhang einer Herausgabe von Andres‘ Weinstudie „Main Nahe(zu) Rhein Ahrisches Saar Pfalz Mosel Lahnisches Weinpilgerbuch“. – Übrigens und „im Ernst“: Die literaturfreundlichen „Kraftwerk-Spezialisten und Kontohüter“ (Sparkasse Trier, Raiffeisenbank Mehring-Leiwen sowie RWE und SWT) haben auch die Neuauflage 2013 gefördert.

Für die Stefan-Andres-Gesellschaft mit freundlichen Grüßen

Ihr Wolfgang Keil

 

Rundbrief Nr. 115 – Im Dezember 2016

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Leserinnen und Leser!

Eine erschütternd frostige Weihnachtsepisode findet sich in Stefan Andres‘ Erstlingsroman „Das heilige Heimweh“, den der Zweiundzwanzigjährige verfasst und als Schriftleiter der religiösen Monatsschrift „Marienborn“ eben dort in den Jahren 1928/9 in siebzehn Sequenzen veröffentlicht hat.

Dreißig Jahre später erhält die Andres-Forscherin Lena Burm (Gent/Belgien) nach eigenem Bekunden auf ihre Frage nach diesem Roman vom Autor die Antwort: „Vergessen wir ihn“.

Diese Distanzierung beruht sicher auf einer selbstkritischen Einschätzung des Romanstils. Doch der ließe sich immerhin überarbeiten. Mitgedacht sei deshalb auch, dass zwischenzeitlich der Roman-Erstling biographisch und thematisch als Stoff- und Problemlieferant für weitere Werke (Die unsichtbare Mauer, Das Trockendock, Der Knabe im Brunnen etc.) hatte dienen müssen – und damit „ausgedient“ hatte.

Den Vorwurf, die Handlung stagniere gegen Ende, wird man nicht erheben, wenn man den Roman als eine moderne Hiobsiade liest. Diese Lesart, der es wesentlich um die Darstellung eines inneren Kampfes geht, fordert der Roman allerdings, und zwar auch expressis verbis. Das Schicksal des Protagonisten Steph ist wie das des biblischen Hiob in der Tat beklagenswert, und er darf sich wie dieser durchaus als einen von Gott Geschlagenen betrachten; seine Reaktion ist jedoch von einer solchen Kälte und Selbst-bezogenheit, dass sein verstoßener Sohn sich schließlich veranlasst sieht, ihn mit scharfen Worten zur Umkehr aufzufordern:

„Sie haben sich tief in sich selber verlaufen. […] Legen Sie ihre heuchlerische, fromme Eitelkeit des unschuldig Geschlagenen beiseite.“

Es liegt also nahe, dass Andres mit dem Verdikt „Vergessen wir ihn“ auch sagen will: Die Hiobsiade „Das heilige Heimweh“ war dem religiösen Organ des „Marienbundes im Dienst der Diaspora“ angemessen, nicht aber der breiten literarischen Öffentlichkeit des zwanzigsten Jahrhunderts.

Im Namen der Stefan-Andres-Gesellschaft wünsche ich Ihnen

EINE GESEGNETE WEIHNACHT UND VIEL GLÜCK IM NEUEN JAHR!

Ihr Wolfgang Keil

Anhang: Auszug aus „Das heilige Heimweh“ in: Marienborn. Monatsschrift im Dienste der Diaspora.

Leipzig 1928 u. Huysburg 1929.

Das Archiv der StAG verfügt über Kopien beider Jahrgänge.

 

 

Rundbrief Nr. 114 – Im November 2016

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Leserinnen und Leser!

 

„Im traurigen Monat November war’s, die Tage wurden trüber“, da erlitt der zehnjährige Stefan Andres einen schmerzlichen Verlust. Sein Vater, der ihm so verständnisvoll nah war und den er so innig liebte, verschied an einem frühen Novembermorgen des Jahres 1916, ohne noch einmal die Augen zu öffnen oder gar letzte Worte zu sprechen.

Es rührt schon an, dem kleinen Steff des Romans „Der Knabe im Brunnen“ in seiner ängstlichen Betroffenheit zu begegnen. Und man bewundert das Einfühlungsvermögen und die sprachliche Sensibilität, mit der Stefan Andres die erinnerten Empfindungen, Beobachtungen, Überlegungen des zehnjährigen Jungen wiedergibt und obendrein bedeutsame Momente aus dessen Erinnerung. Ein reizvoller Fall erinnerten Erinnerns!

Außerdem ist es sicher auch für den heutigen Leser noch interessant mitzuerleben, wie man vor hundert Jahren das Sterben eines Familienmitgliedes bis zum endgültigen Eintritt des Todes begleitete.

 

Für die Stefan-Andres-Gesellschaft mit freundlichen Grüßen

Ihr Wolfgang Keil

 

Anhang: Textauszug zum Rundbrief Nr. 114

(Der Auszug aus Stefan Andres´ autobiographisch geartetem Roman „Der Knabe im Brunnen“ von 1954 folgt der Neuveröffentlichung durch die Herausgeber Chr. Basten und H. Erschens in: Stefan Andres – Werke in Einzelausgaben, Wallstein Verlag, Göttingen 2011.)

 

 

Rundbrief Nr. 113 – Im Oktober 2016

                                                                 Einladung

 

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Leserinnen und Leser!

 

Die Stefan-Andres-Gesellschaft lädt ein zum diesjährigen geselligen Abend unter dem Motto

                                                          „Literatur und Weinkultur“

am Freitag, dem 25. November, 19.00 Uhr,

im Seminarraum des Niederprümer Hofs in Schweich.

 

                                                  „Wunder und Wunderliches“

 

lautet das Thema der szenischen Lesung, in der Stefan Andres‘ Erzählung „Die heilsame Sünde des Don Gianino“ und ein Kapitel aus seiner Satire „Vom heiligen Pfäfflein Domenico“ zu Gehör gebracht werden.

Von Unwahrscheinlichem und Wundersamem erzählen auch die Autoren Horst Lachmund (Trier) und Emil Angel (Esch-sur-Alzette), beide Mitglieder der StAG, in ihren besinnlichen Anekdoten.

Die Rezitationen werden von einer Weinprobe mit Herrn Gindorf vom Weingut Günter Gindorf Schweich umrankt werden.

Für die musikalische Untermalung wird in bewährter Weise das Duo UNO (Uschi Bös u. Norbert Olk) sorgen.

Der Eintritt ist frei.

Anmeldungen bitte bei: andrekastner1948@aol.com – Tel.: 06502/9376

oder        wokeil40@t-online.de – Tel.: 0651/67177.

 

Wir freuen uns auf Ihren Besuch!

 

Für die Stefan-Andres-Gesellschaft mit freundlichen Grüßen

 

Ihr Wolfgang Keil

 

 

 

Rundbrief Nr. 112 – Im September 2016

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Leserinnen und Leser!

 

Die StAG verfügt wieder über eine größere Anzahl an Kopien der vom Autor selbst besprochenen CD

                                              „Stefan Andres: Umgang mit dem Klerus“.

Die mit Temperament und Engagement von Andres vorgetragene Beschreibung des klerikalen Standes, der nicht immer bereit ist, den Kontakt zum Leben in der Gesellschaft zu wahren, richtet sich auf so zentrale Themen wie Mitspracherecht der Laien, Gewissensfreiheit und Einschränkung des Zölibats.

Die CD (60 Minuten O-Ton) ist bei der StAG direkt erhältlich für 12 €, bei Versand 15 €.

Wir hoffen, der kritische und streitbare Homo religiosus Andres spricht Sie mit seinen Ausführungen an!

Im Namen der StAG mit freundlichen Grüßen

Ihr Wolfgang Keil

 

PS.:  Der diesjährige „Gesellige Abend“ der StAG „Literatur und Weinkultur“ findet am 25. 11. statt,

und zwar zum Thema „Wunder und Wunderliches“. Einladungen und Anmeldungen im Oktober.

 

Anhang: Stefan Andres: Umgang mit dem Klerus (1968)

 

 

 

 

Rundbrief Nr. 111 – Im August 2016

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Leserinnen und Leser!

Stefan Andres im Archiv und in Lünen.

Der Roman „Die Dumme“ – ein vermuteter Fall von produktiver Rezeption?

Seit 2011 verfügt das Archiv der StAG über ein Exemplar der politischen Schrift „Verführtes Denken“ (1953) des polnischen Literaturnobelpreisträgers Czeslaw Milosz. Es stammt aus der Bibliothek von Stefan Andres und ist von diesem mit Unterstreichungen und Randbemerkungen versehen worden. Im Folgenden geht es um Fragen, die mit der Existenz dieses „Handexemplars“ verbundenen sind: Wie wurde Andres auf den polnischen Autor aufmerksam? Welches Interesse begleitete seine Lektüre? Welche Wirkung hatte das Denken von Milosz auf das Werk von Andres?

In einer vom Kunstverein Lünen in diesem Jahr veröffentlichten Denkschrift verweist deren Herausgeber, Georg Almus, darauf, dass Stefan Andres im Jahre 1961 im Stadttheater Lünen im Rahmen einer „Italienischen Woche“ einen Vortrag über sein dichterisches Schaffen hielt. Die Initiative dazu war von dem Schriftsteller Werner Warsinsky ausgegangen, der im Jahr 1953 den „Prix Littéraire Européen“ erhalten hatte, und zwar zusammen mit dem oben genannten Czeslaw Milosz.

Spätestens also im Gespräch mit Warsinsky ist Andres wohl auf das Werk „Verführtes Denken“ (1953) des polnischen Autors Milosz aufmerksam geworden.

Sein Interesse am Inhalt des Werkes bekundet Andres durch eine zentrale Kommentierung: „Also ein humanistischer Sozialismus!“ Die Formel bezieht sich auf die Milosz-Passage, in welcher ein Kompromiss zwischen den Lagerideologien formuliert wird: „Wir wollen ein System, in dem die Wirtschaft sozialistisch wäre, ohne dass der Mensch unter dem Würgegriff der Methode hilflos zappeln müsste.“

Aus dem „humanistischen Sozialismus“ aber macht Andres den „sozialistischen Humanismus“ in seinem Roman „Die Dumme“ (1969). Die durch die Formelverwendung markierte inhaltliche Verwandtschaft der beiden Werke zeigt sich u. a. auch in der Beschreibung der Methode, mit der das Volk auf Linie gebracht werden soll. Die Rolle des Schriftstellers bei diesem Prozess ist indirekt dadurch gekennzeichnet, dass Autoren wie Josef Conrad (Joseph Teodor Konrad Korzeniowski) oder Franz Kafka in beiden Werken jeweils als Negativbeispiele fungieren, denn sie stehen der Aufgabe des Literatur Schaffenden, die Parteidoktrin ins Volksverständliche zu übersetzen, völlig entgegen. – Weiter kann als Wirkung der Milosz-Lektüre gelten, dass Andres die dialektische Denkfigur übernimmt, mit der Milosz‘ in seiner Analyse die ideologischen Schranken zwischen Ost und West zu überwinden sucht. Die hier vermutete Abhängigkeit von der wechselperspektivischen Struktur der Studie könnte die Tendenz zu einem gewissen Schematismus erklären, die John Klapper in seinem Werk „Stefan Andres – der christliche Humanist als Kritiker seiner Zeit“ als Charakteristikum des Andres-Romans bezeichnet.

Jedenfalls finden sich in Andres‘ Handexemplar von „Verführtes Denken“ besonders deutliche Bearbeitungsspuren in dem Kapitel „Der Westen vom Osten aus gesehen“. Der mehrfache Perspektiventausch entspricht ganz der Sicht des Europäers Andres, der den Eisernen Vorhang zu überwinden trachtete, weil ihm die Wiedervereinigung Deutschlands und die Einheit Europas am Herzen lagen.

Für die Stefan-Andres-Gesellschaft mit freundlichen Grüßen

Ihr Wolfgang Keil

 

Rundbrief Nr. 110 – Im Juli 2016

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Leserinnen und Leser!

Der jüngste Archivzugang des StA-Museums ist eines der seltenen Exemplare in Buchform des Erstlingswerkes von Stefan Andres: „Das Märchen im Liebfrauen-Dom. Fünf Märchen für Marienkinder“ (1928 – Auszug im Anhang).

Der Verfasser war Ende der 20er Jahre Schriftleiter einer religiösen Zeitschrift und nannte sich Paulus Andres. Dass die legendenhaften Märchen ein wenig nach Honigseim schmecken, wird besonders deutlich, wenn man sie mit einer Stilprobe der 1932 erschienenen Novellette „Der Abbruch ins Dunkle“ (1932 – Auszug im Anhang) vergleicht. Man wird jedoch deshalb nicht auf eine stilistische Entwicklung des Autors schließen müssen, sondern auf eine frühe Verfügbarkeit unterschiedlicher stilistischer Register.

So erklärt sich der Ton der Legenden ebenso aus der Adressatenangabe („Marienkinder“) wie aus der Textsortenwahl: Dem unwahrscheinlichen Erhörten der erbaulichen Legende entspricht das wahrscheinliche Unerhörte der tragischen Novelle. Dem mit Einfühlungsvermögen und schmerzfreier Präzision agierenden „Onkel Tod“ steht die Abgründigkeit der menschlichen Natur gegenüber, die man besser im Dunklen belässt.

Für die Stefan-Andres-Gesellschaft mit freundlichen Grüßen

Ihr Wolfgang Keil

Anhang: Das Märchen im Liebfrauen-Dom

 

Rundbrief Nr. 109 – Im Juni 2016

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Leserinnen und Leser!

Die Lese-Wanderung der StAG im Mai fand wieder erfreulichen Zuspruch. Für alle, die nicht mit von der Partie sein konnten, hier einige literarische Ingredienzien:

Da ist zunächst die Begegnung des siebenjährigen halbzölibatären Steff, der dem Stadtmädchen Kätta imponieren möchte. Und dann helfen wir dem einundsechzigjährigen Stefan Andres beim „Pumpeln“.

Darauf fragte ich sie, wo sie denn wohnten, Kätta sagte, eigentlich in der Stadt, wochentags wohnten sie im Haus des Bahnmeisters am Bahnhof; aber sonntags wegen des Kirchgangs wären sie bei der Großmutter. Zu meiner Freude hörte ich, dass die Großmutter in der Wilzgasse wohnte. So hatten wir also denselben Weg, und sie mussten an unserem Hause vorbeigehen. Ich zeigte es den Mädchen mit Stolz, über dem Berg Rupproth stieg gerade ein feierliches Rot auf, und wir konnten unsere Gesichter erkennen. „Du Kätta!“ sagte ich, ich komme dich auf dem Bahnhof besuchen – mit dem Rad!“

„Hast du ein Fahrrad?“ fragte sie sehr erstaunt. „Mein Bruder Martin hat en Fahrrad, mit Freilauf un Rücktritt. Dat is de beste Radfahrer von der Welt. Dä fährt bis Trier in einer Tour. En hat mich schon mitgeholt bis in de Richtgass.“

„Aber du hast kein Fahrrad?“

„Nä – ich hab aber einen Reifen, dä is vom Fahrrad! Damit fahr ich beinah so schnell wie e Radfahrer.“ […]

Wir waren jetzt vor unserm Haus angekommen.

„Wirst du denn auch Bauer?“ fragte Kätta und blickte durch die Stäbe unseres Tores in den Hof hinein; man konnte den Misthaufen sehen und die Schweineställe. […]

Wenn mir sonst jemand diese Frage nach meinem künftigen Beruf stellte, pflegte ich sofort zu sagen, dass ich für Pastor studieren würde, aber vor Kätta stehend überlege ich voll Vorsicht, ob dieser Beruf ihr auch gefalle und ob er Eindruck auf sie mache. Ich konnte sagen: „Ich wird Professor“, aber ich wusste nicht genau, was das war. „Ich werd Doktor“, hätte ich auch sagen können, aber vor Kättas Augen schien mir dieser Beruf, seit ich Nasenvögelchen kannte, viel zu gering. So sagte ich leise, doch mit großer Bestimmtheit: „Ich werd Bischof!“

„Bischof? Oh!“ Es war die kleine Maria, die das mit leiser, fast erschrockener Stimme hervorgehaucht hatte, während Kätta auf einmal mit den Augen zwinkerte und darauf die festgeschlossenen Zähne zeigt. „Aber dann kannst du nicht heiraten“, sagte sie ebenso ruhig und bestimmt wie ich.

Daran hatte ich nicht gedacht, und ich erschrak geradezu, in Kättas Augen blickend, bei dem Gedanken, dass ich nun niemals heiraten dürfte.

So sagte ich denn, dass das alles noch nicht ganz festgemacht wär, „unse Kaplan is ja sehr dagegen“, fügte ich hinzu. „Un dann“, mir war plötzlich etwas Wichtiges eingefallen, „man hat ja auch noch sein Haushälterinnen, wenn man geistlich wird.“

Auszug aus: Der Knabe im Brunnen, 1954. Neudruck 2011.

An der Mosel auf den blauen Schieferleyen

Schrieb der Römer uns ein feuriges Wort,

Und übten wir’s – mag der Himmel uns verzeihen –

Von dem Vater auf den Jungen fort:

Vinum bonum.

In den feuchten Kellern steht ihr im Examen

Um das beste Fass und pumpelt fein,

Und findet ihr nicht Worte mehr und Namen,

Fällt ihr lallend euer Urteil auf Latein.

Vinum bonum! Vinum bonum!

StA   Im Keller unseres Winzers, Oktober 67

Auszug aus: Die Mosel, 1968

Für die Stefan-Andres-Gesellschaft mit freundlichen Grüßen

Ihr Wolfgang Keil

 

 

Rundbrief Nr. 108 – Im Mai 2016

Einladung

 

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Leserinnen und Leser!

 

Die Stefan-Andres-Gesellschaft lädt ein zu einer  Wanderung mit Lesung durch die Weinlagen Burgmauer, Annaberg und Herrenberg über Schweich und Longuich für Samstag, den 28. Mai 2016.

Beginn der Rundwanderung (ca. 6 KM): 14.00 Uhr im Niederprümer Hof in Schweich (Parkmöglichkeit).

Ab etwa 16.30 Uhr Ausklang in Mittlers Restaurant nahe der Schweicher Brücke.

 

Die Wanderung entlang der Höhe vermittelt zwar nicht mehr das Siedlungs-Bild eines „Sterns“, wie es noch von Stefan Andres in „Jugendtage in Schweich“ (1952) verkündet wird, aber der Gang durch die Weinberge ermöglicht die Sicht auf biographisch wichtige Orte und auf einige Schauplätze bzw. Tatorte aus Stefan Andres‘ Werk – wie Bahnhof, Elternhaus, Reitergässchen, Meulenwaldschule, Kirche, Moselufer etc.

 

Dabei kommen in sieben Lesungen folgende Werke zu Wort: „Der Knabe im Brunnen“, „Jugendtage in Schweich“, „Der Abbruch ins Dunkle“, „Die großen Weine Deutschlands“ und „Die Mosel“.

 

Quasi am Wegesrand entdeckt man u. a. das Gleisdenkmal der ehemaligen Moselbahn in Longuich oder die Christophorus-Skulptur des Bildhauers Willi Hahn, von dem die StAG ein Originalporträt der Modellperson zur Romanfigur „Fichtelkläschen“ besitzt.

 

*****

 

Wenn Sie an dieser Lese-Wanderung teilnehmen möchten, lassen Sie uns das bitte wissen.

 

Anmeldung bitte bei:

Andrekastner1948@aol.com  Tel.: 06502/937648

Wokeil40@t-online.de   Tel.: 0651/67177

 

Wir freuen uns auf den literarischen Spaziergang!

 

Für die Stefan-Andres-Gesellschaft mit freundlichen Grüßen

 

Ihr Wolfgang Keil

 

Rundbrief Nr. 107 – Im April 2016

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Leserinnen und Leser!

John Klapper (Universität Birmingham) hat dem Fundus des StA-Museums 30 Exemplare seiner Monographie „Stefan Andres – der christliche Humanist als Kritiker seiner Zeit“ (1998) zum Geschenk gemacht. Die Studie erfasst das Werk des Schriftstellers unter biographischen, politischen, philosophischen und literarischen Kategorien.  –  Mitglieder können die Monographie zum Preis von 17 € (incl. Porto) bei der StAG erstehen (Ladenpreis: 57 €).

Als neue Archivalie sei an dieser Stelle ein kleiner lyrischer Text von Stefan Andres vorgestellt. Das „Morgengebet für Kinder“ ist weder in der Anthologie „Die Löwenkanzel“ noch in der späteren Sammlung „Der Granatapfel“ abgedruckt:

 

Morgengebet für Kinder

Die Sonne schon den Tag erhellt

Und schenkt aufs Neue uns die Welt.

Ich atme tief, ich bin erquickt,

Gott hat mir einen Traum geschickt.

Ich laufe in das schöne Licht

Und wasch darin mein Angesicht.

Gott, du bist groß, Gott du bist gut,

Bewege wie das Meer mein Blut

Und lass mein Auge sonnig sein

Und wie das Wasser klar und rein.

Fang an, o Tag, in Gottes Namen

Und wachse, leuchte, sinke. Amen.

 

In ihrem kreatürlichen Gottvertrauen erinnern die Verse an einen der „Talismane“ in Goethes Gedichtsammlung „West-östlicher Divan“ (1819):

 

Im Atemholen sind zweierlei Gnaden:

Die Luft einziehn, sich ihrer entladen.

Jenes bedrängt, dieses erfrischt;

So wunderbar ist diese Welt gemischt.

Du danke Gott, wenn er dich presst,

Und dank‘ ihm, wenn er dich wieder entlässt.

 

Für die Stefan-Andres-Gesellschaft mit freundlichen Grüßen

 

Ihr Wolfgang Keil

 

Rundbrief Nr. 106 – Im März 2016

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Leserinnen und Leser!

Im Februar dieses Jahres konnte man wieder Stefan Andres in der Schule begegnen:

Bei dem Projekt „Menschenbilder“ des Stefan-Andres-Gymnasiums in Schweich entstanden in der von Frau Astrid Geißler und der Autorin und Quattropole-Stadtschreiberin Frauke Birtsch eingerichteten „Schreibwerkstatt“ reizvolle Arbeiten aus der Feder von Neuntklässlern. Diese verfassten auf der Grundlage der Andres-Novellen „Die unglaubwürdige Reise des Knaben Titus“ und „Das Wirtshaus zur weiten Welt“ einfallsreiche Textvarianten – darunter die gelungene Verquickung der beiden Novellenhandlungen und die Gestaltung des Sterbeerlebnisses des Knaben Titus, wie man sie sonst wohl nur in einer Kurzgeschichte von Ambrose Bierce antrifft.

Eine ausgesprochene Pionierarbeit vollbrachte Frau Ina Braun-Yousefi, deren Leistungskurs Deutsch der 12. Jahrgangsstufe des Auguste-Viktoria-Gymnasiums Trier sich intensiv mit dem Andres-Roman „Die unsichtbare Mauer“ befasste. Die werkimmanente Analyse des umfangreichen Romans wurde ergänzt durch kulturkundliche Betrachtungsweisen. Auf dieser Grundlage verfassten die Kursmitglieder kleine „Facharbeiten“ nach selbstgewählten Aspekten, die der StAG zur Dokumentation der Unterrichtsreihe vorliegen. Außerdem erhielt die StAG ein Materialien-Dossier von Frau Braun-Yousefi zur Weiterverwendung.
Dies und die von ihr eingerichtete Wikipedia-Seite zum Roman sind geeignet, eine künftige Behandlung des Andres-Werkes zu erleichtern und zu bereichern.
In ihrem Grundkurs 11 wird Frau Braun-Yousefi ihr eigenes Konzept nochmals erproben.

 

Für die Stefan-Andres-Gesellschaft mit einer sonnigen Impression aus Positano und den besten Wünschen zum Osterfest!

Ihr Wolfgang Keil

 

Der Vorfrühling in Positano ist golden und blau.

Die Sonne ist nicht gewalttätig wie im Sommer,
aber dennoch nah.

Sie ist nicht nur am Himmel, sie liegt an jeder Hauswand,

die sonst weiß ist und gleißend;

sie kommt aus den Steinen, aus dem Wogen des Strandes,

aus den Blüten des Mandelbaums;

sie hängt in den Gärten unter dem dunklen Laub der Zitronenbäume,

tausendfältig.

Die Sonne ist berührbar geworden,

die ausgestreckte Hand umfängt sie, die Zunge kostet sie.

Und sie ist nicht einmal heiß, eine kühle Sonne, an die man sich lehnen kann,

als wäre sie eine Wand oder

ein herabbrausender goldener Sturm ohne Stimme.

Stefan Andres: Positano. Geschichten aus einer Stadt am Meer (1957)

 

Rundbrief Nr. 105 – Im Februar 2016

 

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Leserinnen und Leser!

In ihrer Ausgabe vom 5. Januar 2016 meldet die Rheinzeitung, dass das Landesbibliothekszentrum Koblenz ein Werkmanuskript von Stefan Andres erworben hat. Dabei handelt es sich um die handschriftliche Fassung der Novelle „Die Vermummten“ (1937), die bisher als verschollen galt und die – wie es heißt – von der gedruckten Fassung in Teilen abweicht.

Wir haben das Bibliothekszentrum um eine Kopie gebeten. Unser Archiv wird daher demnächst um ein weiteres wertvolles Manuskript reicher sein, nachdem vor drei Jahren unser Ehrenmitglied Günther Nicolin eine Kopie der verschollenen Originalhandschrift der Novelle „Wir sind Utopia“ (1942) dem Archiv der StAG übergeben konnte.

Hier zur Erinnerung die Eingangspassage der Druckfassung der Novelle „Die Vermummten“:

Nach allgemeinem dörflichen Brauch drängte man früher im Trierer Land – wie auch anderswo – die Fastnachtsfreuden auf drei Tage vor Aschermittwoch zusammen, vielleicht aus dem Gefühl, dass durch die Häufung von selber Maß und Grenzen sich ergäben: denn wer es am Sonntag übertrieb, musste den Montag überschlagen; der Fastnachtsdienstag aber war ein sehr zwiespältiger Gast und einem Tänzer von auswärts zu vergleichen, einem Burschen, der zuerst sich toll gebärdet und dann heimlich in der Nacht sich davonmacht. Die Frommen fühlten das Aschenkreuz bereits auf der Stirn, und die anderen hörten durch den letzten Schottisch oder die letzte Polka, welche die Feuerwehrkapelle aufspielte, die Stimme des Vaters vom morgenden Frühstückstisch, wie er sagte: „De Peter geht auf Kron de Wies putzen, die Mädcher gehen allegarden schneiden!“ Ja, und die Rebgässchen den Annaberg hinauf fing die Welt an, schief zu werden; die Schere schnippte dazu und erinnerte an die Tanzgroschen, welche die Jungen übermütig auf den Zinnteller der durstigen Kapelle geworfen hatten; und boshaft erinnerten auch die älteren Mädchen, die nicht zum Tanz waren oder in der Saalecke bei den Alten wie die warnende Gerechtigkeit gesessen hatten: an all die getrennten Paare und vielen sonstigen Ärgernisse, die auf der letzten Fastnacht vorgekommen waren.                   

 

Wir freuen uns mit Ihnen auf die vergleichende Lektüre!

Für die Stefan-Andres-Gesellschaft mit den besten Grüßen

 

Ihr Wolfgang Keil

 

 

 

Rundbrief Nr. 104 – Im Januar 2016

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Leserinnen und Leser!

Seit November 2015 liegt das Heft Nr. 5 der „Schriftenreihe der StAG“ vor mit dem Titel:

Xanthippe und andere Porträts. Prosa von Stefan Andres – intertextuell präsentiert.

Die zentralen Texte ermöglichen eine neue Wahrnehmung historischer Frauengestalten wie Xanthippe und Hypatia. Statt der üblichen Genderbetonung erfahren die weiblichen Figuren eine deutlich soziokulturelle Zuschreibung. Und dieses Rollen- und Statusverständnis vermittelt auch die mutige Rede der Friedensnobelpreisträgerin von 2014, Malala Yousafzai.

Die Botschaft ist eindeutig:

Über die Toleranz hinaus gilt es, dem Mitmenschen mit dem nötigen Respekt zu begegnen, mit der Anerkennung und der Achtung, die insbesondere dem weiblichen Geschlecht oft versagt bleibt.

Mit dieser Tendenz erhält die Textsammlung in den „Tagen nach Köln“ eine heikle Aktualität, der man gleichwohl nicht zu entfliehen vermag.

Das Heft ist zum Preis von 5 € erhältlich. Zur Erprobung in Lehr- und Leseveranstaltungen kann es gratis erworben werden. Einen umfassenderen Überblick liefert das Inhaltsverzeichnis im Anhang.

Wir würden uns über Ihr Interesse freuen!

Im Namen der Stefan-Andres-Gesellschaft wünsche ich Ihnen alles Gute und Gedeihliche im angelaufenen Jahr!

 

Ihr Wolfgang Keil

 

Heft Nr. 5 der „Schriftenreihe der StAG“ – Inhaltsverzeichnis

 

 

Rundbrief Nr. 103 – Im Dezember 2015

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Leserinnen und Leser!

Die StAG-Veranstaltung „Literatur und Weinkultur“ fand auch in diesem Jahr eine erfreuliche Resonanz. Umrankt von der musikalischen Begleitung des „Duos UNO“ (U. Boes, N. Olk und M. Delfosse) und der Weinprobe des Weinguts „Schweicher Hof“ (J. Schmitz) präsentierten die szenischen Lesungen zu den Anekdoten „Der verwundete Sokrates“ von Bert Brecht und „Die Verteidigung der Xanthippe“ (1942) von Stefan Andres sowie die Autorenlesungen von H. Lachmund und E. Angel zum gleichen Thema das Problem der „Respektierung und Rehabilitierung“ in so ansprechender Weise, dass die Stunden als kurzweilig empfunden wurden.

Die Originalform der Anekdote von Stefan Andres ist nachzulesen in Heft Nr. 5 der Schriftenreihe der StAG, das eben erst unter dem Titel „Xanthippe und andere Porträts. Prosa von Stefan Andres – intertextuell präsentiert“ erschienen ist und für Erprobungszwecke auch gratis abgegeben wird.

*****

Das 1945 als Weihnachtsgeschenk gedachte Märchen „Die Häuser auf der Wolke“ von Stefan Andres ist zugleich Ausdruck seiner schöpferischen Möglichkeiten und der Kargheit der Lebensverhältnisse „im stillen Haus“ in Positano.

„Dieses Buch machten Vati und Mutti für ihre Goldhasen Beatrice und Ima zum Weihnachtsfeste 45 im stillen Haus zu Positano.“

Die Widmung der Eltern Dorothee und Stefan stimmt auch uns nach 70 Jahren noch weihnachtlich.

 

Im Namen der Stefan-Andres-Gesellschaft wünsche ich Ihnen  ein gesegnetes Fest und ein glückliches Neues Jahr!

 

Ihr Wolfgang Keil

 

 

Rundbrief Nr. 102 – Im Oktober 2015                                             

                                               Einladung

 Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Leserinnen und Leser!

 

Die Stefan-Andres-Gesellschaft lädt ein zum diesjährigen geselligen Abend unter dem Motto

 

                                              „Literatur und Weinkultur“

                                           am Freitag, 27. November, 19.00 Uhr,

                                im Seminarraum des Niederprümer Hofs in Schweich.

                                     „Respekt im mitmenschlichen Verhalten“

 

ist das Thema der szenischen Lesung, die auf der Basis der Anekdoten von Stefan Andres „Verteidigung der Xanthippe“ und von Bert Brecht „Der verwundete Sokrates“ veranstaltet wird.

Emil Angel (Esch-sur-Alzette) und Horst Lachmund (Trier) präsentieren ihre eigenen literarischen Bearbeitungen der oft unterschätzten Thematik.

Die Rezitationen werden von einer Weinprobe mit Herrn Schmitz-Schweicher vom Weingut Schweicher Hof umrankt.

Für die musikalische Untermalung wird wieder das Duo UNO (Uschi Bös und Norbert Olk) mit vertrauten und fremden Weisen sorgen.

 

Der Eintritt ist frei.

Anmeldungen bitte bei: andrekastner1948@aol.com, Tel.: 06502/9376, oder

                                       wokeil40@t-online.de, Tel.: 0651/67177,

 

                                            Wir freuen uns auf Ihren Besuch!

 

Für die Stefan-Andres-Gesellschaft mit freundlichen Grüßen 

 

Ihr Wolfgang Keil  

 

Anhang: Stefan Moll stellt eine jahreszeitlich passende Veröffentlichung seines Verlags vor.

 

 

Rundbrief Nr. 101 – Im September 2015

 

Einladung

 

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Leserinnen und Leser!

 

Die Stefan-Andres-Gesellschaft lädt ein zu einer Lesung des bekannten Luxemburger Autors Emil Angel.

 

Der Autor liest aus seinem Roman „Das traurige Los des Honoré M. – Ein Fragment“. In dem unterhaltsamen und zugleich „hinterhältigen“ Werk gelingt es dem Protagonisten, mit seinem extrem ausgeprägten Pflichtbewusstsein die Arbeitskollegen immer wieder gegen sich aufzubringen. Doch deren Sticheleien lassen Honorés Los noch nicht besonders traurig erscheinen. Ominöses wird erst erahnbar, als sich der Autor selbst im Roman zu Wort meldet.

In Ergänzung zur Lesung wird Emil Angel den Entstehungsprozess des Romans schildern und Kostproben des Sprachvergleichs mit der luxemburgischen Version vorstellen.

Zu diesem literarischen Abend lädt die Stefan-Andres-Gesellschaft ein für Freitag, den 16. Oktober, 18.30 Uhr, in den Seminarraum des Niederprümer Hofs in Schweich. – Der Eintritt ist frei.

Anmeldung bitte bei: andrekastner1948@aol.com – Tel.: 06502/937648 oder wokeil40@t-online.de – Tel.: 0651/67177.

 

Für die Stefan-Andres-Gesellschaft mit freundlichen Grüßen

 

Ihr Wolfgang Keil

 

Emil Angel: Das traurige Los des Honoré M. Ein Fragment. (Leseprobe)

 

Honoré kränkelte seit langem. Er hatte Magenprobleme. Tag für Tag schluckte er seinen Gastropax – einen grauen, lehmartigen Brei –, und sein Asthma, hatte sein Heilpraktiker ihm bestätigt, sei nicht nur allergisch bedingt.

Hauptsächlich nervös!“

Psychosomatisch?“ hatte Honoré gefragt.

Der Mann hatte ihn erstaunt angesehen: „Das ist der klassische Name für den Befund.“

Bei jedem Termin legt er Honoré ans Herz: „Entspannung, Herr M.! Denken Sie daran!“

Ich mache täglich meine Yogaübungen.“

Vortrefflich. Nachdem, was Sie mir berichtet haben, ist es Ihr Beruf, der Sie bedrückt. Sie müssen lernen abzuschalten.“

Es gibt kein richtiges Leben im falschen!“ hatte Honoré gesagt.

Das Sprüchlein gefiel ihm. Es ärgerte ihn bloß, dass er es ausgerechnet von Wallendorff hatte. Dieser hatte den Satz in einem der gescheiten Bücher gefunden, die er im Büro las, anstatt seine Arbeit zu tun.

 

 

Rundbrief Nr. 100 – Im September 2015

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Leserinnen und Leser!

 

Heute betreten wir mit Stefan Andres die Schul-Welt von vor hundert Jahren.

In dem Roman „Der Knabe im Brunnen“ gelingen dem neunjährigen Steff im Kriegsherbst 1915 einige ungewollt naiv-sarkastische Verse, die seinem Lehrer nicht nur aus formalen Gründen missfallen. Aber urteilen Sie selbst:

 

In diesem Augenblick griff Tipphenne langsam in seine Brusttasche, zog einen Zettel heraus, auf dem in meiner Reinschrift das Gedicht stand. Er hielt das Blatt mit zwei Fingern und spreizte die andern Finger ab, als wäre es schmutzig. Ich verstand nicht, wie es in seine Hände gekommen war, und warum er das Gedicht gerade jetzt hervorzog.

„Schlimmer als Birnen“, sagte er und bürstete sich mit der Hand, die er frei hatte, wiederum den kleinen Schnurrbart. „Denn siehe“, fuhr er fort, „ in dem Topf lagen schöne Birnen, die du gestohlen hast; und nichts war darin, was dir gehörte. In diesem Gedicht aber hast du deine eigenen, unreifen, sauren, wurmstichigen und mit allerlei Warzen versehenen Verse neben weiße, süße, glatte, tadellose und bis ins Mark gesunde und edle Verse gesetzt. Höre diesen herrlichen Vers:                  ‚Wo gab es Männer, so stolz wie sie?

                                           Ein Heer, das so durstig nach Siegen schrie?’“

Der Lehrer Tipphenne legte, als er diese Worte deklamierte, den Kopf schräg in den Nacken. Er kannte sie auswendig, während ich in dem von mir geschriebenen Gedicht nur die Verse auswendig kannte, die ich selber gemacht hatte. Tipphenne blickte nun, als wäre er vorsichtig, auf den Zettel und sagte mit gerümpfter Nase: „Und nun höre, was du unmittelbar aus deinem Eigenen daneben zu setzten wagtest::

                                           ‚Die einen ziehn ein bald in Paris,

                                           die andern ziehn ein ins Paradies.’

Was muss ein Dichter empfinden, wenn er seine Kunst mit solchem Unrat vermischt sieht! So fühlte etwa ein edles Schlachtross, wenn es sich am Ende zwischen einem zerkleinerten Schwein in der Wurst befindet.“ Er schwieg und blickte mich kopfschüttelnd an. „Paris und Paradies – welch ein dummer Reim! Und die einen und die andern, das geht überhaupt nicht, das ist trockenste Prosa.“

Wieder schwieg Tipphenne, seine Augen bekamen langsam ein böses Glitzern. „Und das mit neun Jahren! Mit neun Jahren bietest du der Zeitung ein Gedicht an, das zur Hälfte gestohlen ist. Ich traute meinen Augen nicht, als Herr Gipfel vom ‚Schweicher Boten’ mir gestern dieses Blatt brachte.“

Er wandte sich um und ging langsam zum Schrank. „Und das mir – das mir“, sagte er einigemal mit hoher Stimme und schöner Betonung. Ich erschrak, als ich sah, dass er mit dem Stock wiederkehrte …

 

Stefan Andres: Der Knabe im Brunnen. Roman. Hrsg. Christa Basten u. Hermann Erschens. Wallstein Verlag, Göttingen 2011, S. 176.

 

Für die Stefan-Andres-Gesellschaft mit freundlichen Grüßen

 

Ihr Wolfgang Keil

 

 

Rundbrief Nr. 99 – Im August 2015

 

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Leserinnen und Leser.


Stefan Andres sah in Atomwaffen grundsätzlich nichts anderes als „Mittel zur totalen Vernichtung allen Lebens“ (s. „Gegen die Atomaufrüstung“). Daher hat er in den 50er Jahren in Rede und Schrift gegen die atomare Aufrüstung protestiert.

Zur Erinnerung an die Kataklysmen von Hiroshima und Nagasaki vor 70 Jahren soll hier seine warnende Stimme gehört werden, wie sie in der albtraumhaften Parabel „Ein Traum …“ vernehmbar ist. (s. Anhang)

Der Text erfuhr nach den atomaren Katastrophen eine entsprechende Adaption. Die frühe Form aus den 40er Jahren erschien in Band II der „Sintflut-Trilogie“: „Die Arche“ (1951); etwas verkürzt auch in der Neuausgabe der „Sintflut“ (2007).

Die vorliegende Fassung entspricht derjenigen in den „Mitteilungen der StAG VII“ (1986), die sich auch in „Mein Thema ist der Mensch. Texte von und über Andres“ (1990) findet sowie in Heft Nr. 4 der Schriftenreihe der StAG: „Die Weltenmühle. Texte zu einer doppel-gesichtigen Welt.“ (2012)

Ich hoffe, Andres’ literarische Verarbeitung politischer Inhalte kann überzeugen!

 

Für die Stefan-Andres-Gesellschaft mit freundlichen Grüßen 

 

Ihr Wolfgang Keil

 

Anhang: Ein Traum

 

 

Rundbrief Nr. 98 – Im Juli 2015

Sehr geehrte Damen und Herren,  liebe Leserinnen und Leser!

 

Hier der Bericht über die Mitgliederversammlung der StAG vom 27. Juni 2015:

Die Jahreshauptversammlung der StAG fand auch in diesem Jahr wieder im Seminarraum des Niederprümer Hofes in Schweich statt, von dessen Wänden Gemälde mit Motiven grüßten, die Peter Kruse vor allem dem Novellenband „Gäste im Paradies“ entnommen hat.

 

Nach der Begrüßung durch Anita Kruppert konnte der Präsident der Gesellschaft den Tätigkeitsbericht vortragen in Anwesenheit von Irene Maria Röhrscheid, der Tochter des Schriftstellers, und vor zahlreichen Mitgliedern und Gästen, von denen einige aus der Ferne angereist waren.

 

Der Tätigkeitsbericht wurde durch Beiträge örtlicher Kooperationspartner ergänzt: Christina Steinmetz sprach für die Grundschule am Bodenländchen, Astrid Geißler für das Stefan-Andres-Gymnasium und Markus Kowalik für das Seniorenheim St. Martin.

Außerdem wurden die Ergebnisse bzw. Konzeptionen von Andres-Studien vorgestellt. Catharina Weis von der Universität Stuttgart tat dies mit ihrer Masterarbeit zur Auswirkung von Stefan Andres’ Emigration auf sein Werk.

 

Paul Müller, Leiter des Schiller-Gymnasiums Pforzheim, berichtete über sein Oberstufenprojekt „Menschen in Grenzsituationen“, in welchem Andres’ Novelle „Wir sind Utopia“ neben Werke von Autoren wie Marquez, Taboris und Borchert gestellt wurde.

Die Oberstufenschülerin Maximiliane Krämer vom Angela-Merici-Gymnasium Trier erläuterte die Grundgedanken ihrer Facharbeit zum Freiheitsbegriff in Stefan Andres’ Novelle ‚Wir sind Utopia’.

Im Archivbericht wurde auf den Eingang wertvoller neuer Archivalien verwiesen. So erhielt die StAG von Manfred Mossmann (Achim bei Bremen) die kopierte Titelseite der Frankfurter Zeitung vom 1.12.1939 mit der bisher unbekannten Ode „Unsterblichkeit“ von Stefan Andres.

 

Marlies Höller aus Balve übergab dem Archiv einen Originalbrief von Stefan Andres aus dem Jahre 1927 sowie die wohl einzige erhaltene Buchausgabe des Titels „Das Märchen im Liebfrauendom“ von Stefan Andres aus dem Jahr 1927.

Anschließend erfolgte die turnusgemäße Neuwahl des Vorstandes. Das Wahlergebnis finden Sie im Anhang.

Für die Stefan-Andres-Gesellschaft mit freundlichen Grüßen

 

Ihr Wolfgang Keil

 

Anhang: Sachwalter-des-Stefan-Andres-Erbe
 

 

Rundbrief Nr. 97 – Im Juni 2015

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Leserinnen und Leser!

 

Mit Stefan Andres zu Orten der Sehnsucht 

Eine mehr als zweistündige literarische Wanderung der Stefan-Andres-Gesellschaft am 13. Juni rund um die Erhebung „Maruhl“ bei Schweich fand mit 40 Teilnehmern einen erfreulichen Zuspruch. Nach einer Einführung in Stefan Andres’ besondere Art, Landschaften ihrer Bedeutung wegen und Flurnamen sogar ihres Klanges wegen in Schauplätze zu verwandeln, wurden der Wandergruppe an vier Wegstationen Lesungen mit eindringlichem Lokalbezug präsentiert. P. Kruse, C. Schött, R. Boesten und E. Cannivé-Boesten zitierten aus frühen Werken des Autors (“Der Abbruch ins Dunkle” – 1932, “Utz, der Nachfahr” – 1936) sowie aus dem Roman „Der Knabe im Brunnen“ – 1954. Dabei konnten die Zuhörer erleben, wie im schöpferischen Prozess Empfindungen evoziert werden, die den Autor als jungen Menschen mit den heimatlichen Gefilden verbanden. Und zwar entfalteten sich neben Angst und Freude auch die gemischten Gefühle der rückwärtsgewandten Wehmut und der vorausgerichteten Sehnsucht. Insbesondere von der Erhebung „Maruhl“ aus konnte beim Blick ins weite Moseltal die Sehnsucht nachempfunden werden, die den Knaben Steff von Feld und Weide in die Ferne zog. Die aber glaubte der Junge in den Türmen der Stadt Trier zu erschauen, und er vermutete sie zu Recht in der römischen Antike von Kaiserpalast und Porta Nigra. – Zum Ausklang fanden sich die Teilnehmer der Wanderung auf der Moselterrasse einer Isseler Gaststätte ein.      

          Viel Freude beim Lesen der rezitierten Texte, die Sie im Anhang finden!

 

Für die Stefan-Andres-Gesellschaft mit freundlichen Grüßen

Ihr Wolfgang Keil

 

Anhang: Textauszüge Wanderung um Maroul 2015 und Einladung zur Mitgliederversammlung der StAG

 

 

 

Rundbrief Nr. 96 – 23. Mai 2015

 

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Leserinnen und Leser!
Vor genau einhundert Jahren, am 23. Mai 1915, wurde Italien durch seine Kriegserklärung an Österreich-Ungarn zum Gegner 
Deutschlands. Stefan Andres macht das historische Datum zum Schicksalstag seiner Figuren in der Erzählung „Sommerliche 
Elegie“ von 1943. Diese spielt in Oberfranken und Florenz und beinhaltet die wehmütige Klage des italienischen Protagonisten 
darüber, dass im Streit der Völker Venus von Mars verdrängt wird und die Feindschaft der Nationen schmerzhaft trennend und 
rücksichtslos zerstörend in das Leben des Einzelnen eingreift – in der Elegie leitmotivisch symbolisiert durch die Farbe und die 
Form einer Mohnblüte.
 
Die unselige Verquickung von Liebe und Tod ist zwar ein klassischer Topos, aber in der gegebenen Einbettung der Handlung, 
der Personenkonstellation und der politischen Aktualität mag Stefan Andres sie am ehesten in Romain Rollands Schauspiel 
„Le Jeu de l’Amour et da la Mort“ (1924) vorgefunden haben. Rollands europäisch gearteter, vor allem auch in Krisen- und 
Kriegszeiten zwischen Frankreich und Deutschland vermittelnder Humanismus bzw. Pazifismus entsprach ganz dem Denken 
des Verfassers des Romans „Die Hochzeit der Feinde“ (1950). Diese geistige Verwandtschaft war sicher der Grund dafür, dass 
das Ehepaar Andres im Jahre 1950 der Witwe von Romain Rolland in Paris einen Besuch abstattete („’Carpe Diem!’ Mein 
Leben mit Stefan Andres“). 
Im Anhang finden Sie Anfang und Ende der „Elegie“. 

Der Gesamttext soll in das Programm der StAG-Homepage aufgenommen werden.

Wir hoffen, dass die beiden Auszüge aus der erotisch durchwirkten Erzählung einen Eindruck von Andres’ Beschäftigung mit 
der „großen und kleinen Welt“ seiner Zeit vermitteln.
Für die Stefan-Andres-Gesellschaft mit freundlichen Grüßen
 

Ihr Wolfgang Keil

 

Anhang: Sommerliche Elegie Auszüge

 

 

Rundbrief Nr. 95 – Im April 2015

                       

EINLADUNG

 

Sehr geehrte Damen und Herren, lieber Leserinnen und Leser!

 

Die Stefan-Andres-Gesellschaft lädt ein zu einer Wanderung mit Lesung rund um Maroul/Marul, bedeutsamer Schauplatz im poetischen Andres-Land,     

                                         für Samstag, den 13. Juni 2015.

 Beginn der Rundwanderung (ca. 7 KM):

14.00 Uhr am Parkplatz mit Wanderwegtafel unterhalb vom Schweicher Heilbrunnen.

Ab 16.30 Uhr Ausklang im Gasthaus „Isseler Hof“ (Terrasse mit Moselblick).

 

Stefan Andres verwendet die reale Flurbezeichnung „Maruhl“ in leicht abgewandelter Form in vier verschiedenen Werken:

Wie Gottfried Kellers „Seldwyla“ dient die Bezeichnung einmal als Deckname für Schweich und Umgebung („Der Abbruch ins Dunkle“ – 1932).

Dann markiert „Maroul“ den Schauplatz des Aufbruchs und des Wiedersehens („Eberhard im Kontrapunkt“ – 1933,  „Utz, der Nachfahr“ – 1936).

Schließlich wird „Maroul“ zum Schauplatz im Wortsinn: Der kleine Steff erschaut von dort in der Ferne die Türme der Stadt Trier, des Ziels seiner Sehnsucht („Der Knabe im Brunnen“ – 1953).

                                                          *****

 Wenn Sie an dieser von Lesungen begleiteten Wanderung teilnehmen möchten, teilen Sie uns das bitte mit.

Anmeldung bei:

Andrekastner1948@aol.com – Tel.: 06502/937648

wokeil40@t-online.de – Tel.: 0651/67177

 

Wir freuen uns auf den literarischen Spaziergang!

 

Für die Stefan-Andres-Gesellschaft mit freundlichen Grüßen

 

Ihr Wolfgang Keil

 

Rundbrief Nr. 94 – Im März 2015

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Leserinnen und Leser!

Anlässlich der Projekttage des Stefan-Andres-Gymnasiums in Schweich hat im Februar dieses Jahres eine Schülergruppe die Novelle „Die Vermummten“ von Stefan Andres zur produktiven Gestaltung eigener Texte genutzt.

Die Stefan-Andres-Gesellschaft dankt an dieser Stelle den Lehrerinnen Frau Geißler und Frau Wentzel-Pouivet für ihre besondere Projektinitiative, Frau Stäber, Frau Hardt und Herrn Schneider für ihre Unterstützung und den Schülern für ihre aktive und produktive Teilnahme.

Wir freuen uns, vier Arbeiten prämieren zu können. Die Preisträger sind: Ramon Giesche (6. Klasse), Moritz Berg, Lukas Borman und Yannik Berg (alle 8. Klasse). Sie erhalten zur Urkunde einen Büchergutschein und das Heft Nr. 4 aus der „Schriftenreihe der StAG“, das u. a. die Kurzgeschichte „Das Trockendock“ enthält. – Fotos von der Übergabe der Preise werden auf der Homepage des SAG und im Amtsblatt erscheinen.

Das Thema der Novelle „Die Vermummten“ von 1937 ist angesichts der nicht abnehmenden Gewaltverbrechen vermummter Täter leider sehr aktuell. Und genau diese Erfahrung haben auch drei der Schüler in ihre kleinen Texte eingearbeitet.

Im Anhang finden Sie einen Auszug aus der Novelle, die in den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts diesseits und jenseits der Zummeter Höhe spielt. Die beiden Fastnachtstäter, die durch ihre unheimliche Maskerade einen Siebenjährigen ungewollt „aus dem Verstand geschreckt“ haben, befinden sich auf ihrem Gang nach Trier, wo sie die Osterbeichte ablegen wollen (s.
Anmerkung zum Textauszug).

Für die Stefan-Andres-Gesellschaft mit den besten Wünschen und Grüßen zum Osterfest

Ihr Wolfgang Keil

Anhang: Die Vermummten (Auszug)

 

Rundbrief Nr. 93 – Im Februar 2015   

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Leserinnen und Leser!

Wie sehr Stefan Andres das Thema Unsterblichkeit beschäftigte, kann man daran ablesen, dass er in seinem Roman „Die Versuchung des Synesios“ die spätantike Mathematikerin und Philosophin Hypatia bis zu ihrer Ermordung Passagen aus Platons „Phaidon“ vorträgen lässt. Diese beinhalten die „Theodizee“ des Sokrates, der angesichts seines Todes im Dialog mit ihm besonders nahe stehenden Schülern die Unsterblichkeit der Seele zu beweisen sucht.

Dass Andres sogar eine Ode mit dem Titel „Unsterblichkeit“ verfasst hat, wissen wir erst, seit unser Mitglied Manfred Mossmann dieses Gedicht im Jahre 2014 entdeckt hat. – Mehr dazu vom Entdecker selbst im Anhang (s. u.).

Hier als Vortext zur Gedichtlektüre ein Auszug aus Platons Dialog über die Unsterblichkeit der Seele in der erwähnten Schrift, die um das Jahr 385 entstanden sein dürfte, jedenfalls bald nach Sokrates’ Tod im Jahre 399 v. Chr.:

Gott wenigstens, sprach Sokrates, und die Idee des Lebens selbst wird wohl, wenn überhaupt etwas unsterblich ist, von jedem eingestanden werden, dass es niemals untergehe. – Beim Zeus, sagte er, von jedem Menschen ja schon, und noch mehr, denke ich, von den Göttern. – Wenn also das Unsterbliche auch unvergänglich ist, wäre dann nicht die Seele, wenn sie doch unsterblich ist, zugleich auch unvergänglich? – Ganz notwendig. – Tritt also der Tod den Menschen an: so stirbt, wie es scheint, das Sterbliche an ihm, das Unsterbliche aber und Unvergängliche zieht wohlbehalten ab, dem Tode aus dem Wege. – Das leuchtet ein. – Ganz sicher also, o Kebes, ist die Seele unsterblich und unvergänglich, und in Wahrheit werden unsere Seelen sein in der Unterwelt.

(Auszug aus Phaidon, zitiert nach: Reclam 1987, S. 79)

Für die Stefan-Andres-Gesellschaft mit freundlichen Grüßen

Ihr Wolfgang Keil

Anhang: Stefan Andres’ Ode „Unsterblichkeit“ mit einem Kommentar von M. Mossmann.

 

Rundbrief Nr. 92 – Im Januar 2015   

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Leserinnen und Leser!

In unserer Veranstaltung „Toleranz in Literatur und Weinkultur“ im November 2014 wurde die szenische Lesung von Andres’ märchenhafter Anekdote „Die Weinprobe“ flankiert von Bearbeitungen des Themas aus der Feder der Autoren Emil Angel (Esch-sur-Alzette/Lux.) und Horst Lachmund (Trier).

Im Anhang finden Sie Emil Angels heitere Glosse, die das Zusammenleben in unserem Nachbarland schildert, und Horst Lachmunds listige Lösung einer Zwangssituation, die an Faust und Gretchens (Un-)Tat erinnert.

Trotz der erschreckenden Ereignisse der jüngsten Zeit sollte – so möchte man hoffen – ein spielerischer, (selbst-) ironischer Umgang mit dem persönlichen und gesellschaftlichen Ideal der Duldsamkeit möglich bleiben.

Für die Stefan-Andres-Gesellschaft mit freundlichen Grüßen

Ihr Wolfgang Keil

Anhang: Emil Anger: Mult-Kulti im Melting-Pot und Horst Lachmund: Der Fluch der Enge

 

Rundbrief Nr. 91 – Weihnachten 2014

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Leserinnen und Leser!

„In illo tempore!“

Stefan Andres bringt seine Deutung der Weihnachtsbotschaft in dem Erinnerungsroman „Der Knabe im Brunnen“ (1953) in der Schilderung des Krippenwunders zum Ausdruck. In einer erheiternd kindlichen Argumentation trägt der kleinen Steff seine Zweifel an der realistischen Proportioniertheit des Jesuskindes vor. – In Sprache und Denkweise geht der
Erzähler dabei ganz in der Figur des erinnerten kleinen Steff auf.

Anders hingegen verfährt Stefan Andres in seinem Zeitschriftenbeitrag „Moselweihnacht“ (Westermanns Monatshefte, Dezember 1951). – Vgl. dazu auch
die „Bibliographie“ auf der Homepage der StAG, die von Prof. John Klapper (Universität Birmingham) betreut wird.

Zwar tritt in dem Zeitschriftenbeitrag (s. Anhang) das Bemühen um regionalsprachliche Authentizität zurück, die Schilderung gewinnt jedoch ihren Reiz erzähltechnisch, und zwar durch die teils partiell vorhandene, teils aber auch nur scheinbare Trennung von reflektierendem Erzähler und naiver Figur.

So kommt es zu Doppelbeziehungen, wie bei dem weg- und zeitweisenden Signal „In illo tempore!“, das den Evangelientext zitiert („Zu jener Zeit erging vom Kaiser …“) und zugleich die Entfernung zur Kindheit des Autor-Erzählers markiert: „Das elektrische Licht war in jenen Jahren …“ („Aufgang des wahren Lichts“). – So sucht der (künftige) Schriftsteller im geschriebenen Wort seinen Weg aus der „Weglosigkeit“.

Im Namen der Stefan-Andres-Gesellschaft wünsche ich Ihnen ein gesegnetes Weihnachtsfest und ein  gutes Neues Jahr !

Ihr Wolfgang Keil

Anhang: Moselweihnacht (Ausschnitt)

 

Rundbrief Nr. 90 – Im Dezember 2014

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Leserinnen und Leser!

Der diesjährige „Gesellige Abend“ hatte wiederum eine erfreuliche Resonanz. Augenscheinlich konnte die Darbietung des Themas „Toleranz in Literatur und Weinkultur“ in einem Ensemble von Lesung, Weinprobe und musikalischer Untermalung das Publikum überzeugen. Der szenischen Lesung der Anekdote „Die Weinprobe“ von Stefan Andres folgten eine Weinproben-Parodie (R. Boesten) und die Vorträge eigener satirischer Fabeln und Glossen der Autoren H. Lachmund (Trier) und E. Angel (Esch-sur-Alzette/Lux.).

Neben dem inhaltlichen Beitrag von Literatur zur Toleranz-Entfaltung beschwor man auch die Toleranz fördernde Leistung des Leseakts selbst. Danach bedarf literarisches Verstehen des ständigen Perspektiv-Wechsels, des Hineinversetzens in die Denk- und Handlungsweisen der Figuren. Die dadurch gewonnene Empathie – die aus dem 19. Jahrhundert stammende jüngere Schwester der Sympathie – könnte aber der Boden zur Entfaltung einer toleranten Einstellung zur Mitwelt werden.

In diese Richtung wirkten auch die Weinprobe des Winzers G. Rohr vom Weingut Masteiner Hof und die Weisen des Duos UNO (U. Bös u. N. Olk).

So sehr empfand man den Abend als Empathie stiftend, dass sogar die sehr optimistische Umformulierung des Themas Beifall fand:

„Toleranz durch Literatur und Weinkultur“.

Die Andres-Anekdote vom kleinen Wachsoldaten Mustafa, der seinem gestrengen Sultan eine Toleranz-Lektion erteilt, erleichterte in Form der szenischen Lesung das Hineinversetzen in die Figuren.

Vor kurzem hat unser Mitglied M. Mossmann (Bremen) entdeckt, dass neben dem Sultan auch der Wachsoldat ein historisches Vorbild hat, und zwar in einem unerschrockenen Weingenießer namens Bekri Mustafa. Um dessen Beziehung zum Sultan Murad IV. ranken sich Legenden, die zu erklären suchen, was den im Alter von 27 Jahren seiner Alkohol-krankheit erlegenen Herrscher zur Sucht verleitete. Im Gegensatz zu solch eher düsteren Geschichten liefert die Anekdote von Andres mit ihrer Verbrüderung von Herr und Knecht eine
besonders heitere Utopie.

In Stefan Andres’ märchenhafter Feier der Toleranz klingen die Botschaften Lessings (Nathan) und Goethes (Iphigenie) nach, und wir vernehmen deutlich das Echo von Schillers Weltverbrüderung in dessen „Ode an die Freude“ („Freude sprudelt in Pokalen, in der Traube goldnem Blut,  … Brüder flieget von den Sitzen, wenn der volle Römer kreist …“).

Anders als Goethe verneint Andres in seinem Aufsatz „Toleranz“ die Frage, ob man gegenüber dem Intoleranten intolerant sein darf, aber seine Anekdote „Die Weinprobe“ warnt doch vor der Absurdität extremer Forderungen:

„Gerechtigkeit bis zur Neige ist Ungerechtigkeit.“

Diese Einsicht entspricht sehr genau der Aussage El Grecos in Andres’ Novelle „El Greco malt den Großinquisitor“, die sinngemäß meint, nur im Zusammenwirken mit der Barmherzigkeit bleibt die Gerechtigkeit („iustitia et misericordia“) menschlich. Gerechtes Handeln ist wirklich gerecht nur unter Berücksichtigung des Menschen im Andern, nur im Verein mit einem gebührenden Maß an Toleranz.

In diesem Sinn verbleibe ich für die Stefan-Andres-Gesellschaft mit freundlichen Grüßen

Ihr Wolfgang Keil

Anhang: Vorlage für die Szenische Lesung der Anekdote „Die Weinprobe“.

 

Rundbrief Nr. 89 – Im November 2014

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Leserinnen und Leser!

In seiner anekdotischen Erzählung „Die Weinprobe“ (1944)  entwickelt Stefan Andres einen Begriff von Gerechtigkeit, der, aus einer totalitär-fundamentalistischen Ideologie befreit, von Menschlichkeit geprägt ist und dessen Verwirklichung der Tolerierung des Andersdenkenden bedarf.

Die Toleranz-Thematik erfährt in der Aufklärung ihre literarische Gestaltung vor allem in Lessings „Nathan“ und Goethes „Iphigenie“. In beiden Werken geht es um die Respektierung des oft als befremdlich oder gar feindlich empfundenen Anderen. Schon an den Schauplätzen lässt sich die Aktualität der Problematik ablesen, ob es sich nun um das Aufeinandertreffen dreier Weltreligionen im Kreuzzug-Jerusalem Nathans handelt oder um die Verbannung der Griechin Iphigenie in das Land der als barbarisch erachteten Skythen im Bereich der heutigen Krim.

Dass bei dem Versuch, Toleranz zu üben und die Welt mit den Augen des Anderen zu sehen, auch die eigenen Ansichten, Autoritäten und Normen zur Disposition gestellt werden, macht aus aufklärerischer Sicht den kulturellen und politischen Gewinn aus.

In dieser geistigen Tradition bewegt sich Andres mit seinem Essay „Toleranz“ (1958) und seiner anekdotischen „Weinprobe“, die er bezeichnenderweise an den Hof des osmanisch-türkischen Herrschers Murad IV. in Istanbul verlegt. Die Handlung um den gerechten Richter erinnert sowohl an Kleists Schauspiel „Prinz Friedrich von Homburg“ als auch an dessen Lustspiel „Der zerbrochene Krug“. In Schauspiel und Anekdote ist der Krug nicht zufällig zugleich Corpus Delicti und Mittel der Erkenntnis.

Vom historischen Murad IV. (1612-1640) wissen wir, dass er die Missachtung des Verbots von Kaffee (!), Tabak, Opium und Wein rigoros mit dem Tode
bestrafte. Wie Stefan Andres den Sultan mit dem Palastdiener Mustafa verfahren lässt, wird sich in der szenischen Lesung der Anekdote während des
„Geselligen Abends“ der StAG zeigen, zu dem Sie herzlich eingeladen sind.

Die Autoren Emil Angel (Luxemburg) und Horst Lachmund (Trier) werden zum Thema „Toleranz“ eigene Beiträge lesen.

Im Anhang finden Sie neben der Einladung die Exposition des Kasus in der „Weinprobe“. Vielleicht gelingt Ihnen die Lösung des Rechtsfalls ohne die Hilfe des Sultans oder des Verfassers.

Für die Stefan-Andres-Gesellschaft mit freundlichen Grüßen

 

Ihr Wolfgang Keil

 

Anhang: Textauszug Die Weinprobe (Exposition) und Einladung Rundbrief Nr. 88

 

 

Rundbrief Nr. 88 – Im Oktober 2014

Einladung

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Leserinnen und Leser!

Die Stefan-Andres-Gesellschaft lädt ein zum diesjährigen geselligen Abend unter dem Motto

„Toleranz in Literatur und Weinkultur“
am Freitag, 28. November, 19.00 Uhr,

im Seminarraum des Niederprümer Hofs in Schweich.

Stefan Andres hat sich eindringlich mit dem Thema Duldsamkeit und Weltoffenheit befasst. Und zwar in seinem Essay „Toleranz“ und in seiner anekdotischen Erzählung von 1944 mit dem bezeichnenden Titel „Die Weinprobe“.

Diese literarische Weinprobe wird in einer szenischen Lesung vorgetragen, sodass sie sich um die reale Weinprobe ranken kann, die der Schweicher Winzer Gerd Rohr veranstaltet.

Die Autoren Emil Angel (Esch-sur-Alzette) und Horst Lachmund (Trier) präsentieren mit Humor und Hintersinn eigene literarische Bearbeitungen der immer aktuellen Thematik.

Für die passende musikalische Untermalung wird wieder das Duo UNO (Uschi Bös und Norbert Olk) mit neueren und älteren, vertrauten und fremden Weisen sorgen.

Der Eintritt ist frei.

Anmeldungen bitte bei: andrekastner1948@aol.com, Tel.: 06502/9376, oder wokeil40@t-online.de, Tel.: 0651/67177,

Wir freuen uns auf Ihren Besuch!

Für die Stefan-Andres-Gesellschaft mit freundlichen Grüßen

Ihr Wolfgang Keil

Anhang: Toleranz (1958 – Auszug)

 

Rundbrief Nr. 87 – Im September 2014

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Leserinnen und Leser!

Zur Erinnerung an die Eindrücke in Unkel erscheint hier das passende Foto der Villa Herresberg, die, dem Andres-Haus Kore gegenüber am jenseitigen Rheinufer gelegen, für die Andres-Familie von großer Bedeutung war. (In den Rundbrief Nr. 86 war irrtümlich ein Foto des nahe gelegenen Schlosses Marienfels geraten.)

http://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Remagen_Haus_Herresberg_2013_(2).jpg

 

Villa Herresberg heute

 

 

Villa Herresberg heute

Nicht nur für die Mitglieder unserer Besuchergruppe wird die Ansicht einer Rekonstruktion der Klosteranlage Heisterbach interessant sein, die Sie im
Anhang finden. Man erkennt am Modell, dass wir uns nach der Auflösung der Abtei und dem Abbruch der Klostergebäude im 19.Jahrhundert heute mit einem
bescheidenen Rest der Kirche begnügen müssen. Und wir sind dennoch beeindruckt von der architektonischen Leistung, die den Zisterziensern mit
dem Chor und seinen Apsiden gelang.

Wir verdanken das Foto Herrn Schade, der uns durch Heisterbach geleitete. Er gestattet uns die Weitergabe. Interessenten können noch zwei weitere
Ansichten aus je anderer  Perspektive zugesandt bekommen.

Auch den Beitrag zu dem sowohl naturwissenschaftlich als auch weltanschaulich begründeten Lehrstreit um die sog. Unkelsteine, an dem sich u. a. Alexander von Humboldtund Johann Wolfgang von Goethe beteiligten, können wir Ihnen individuell zugehen lassen. Gleiches gilt für alle literarischen Texte, die uns auf der Reise begleitet haben.

Für die Stefan-Andres-Gesellschaft mit freundlichen Grüßen

Ihr Wolfgang KeilAnsicht einer Rekonstruktion der Klosteranlage Heisterbach

Anlage: Ansicht einer Rekonstruktion der Klosteranlage Heisterbach

 

 

Rundbrief Nr. 86 – Im August 2014

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Leserinnen und Leser!

Einladung zur Fahrt nach Unkel und zum Kloster Heisterbach am Samstag, 13.09.14

Mit Stefan Andres und Ferdinand Freiligrath treffen in Unkel und gewissermaßen auf dem Rhein zwei Schriftsteller aufeinander, die man sonst nicht in einem Atemzug zu nennen pflegt. – Beiden wird der Strom zum Medium einer politischen Vision.

So gilt für Stefan Andres, wie wir von ihm in “Europa auf dem Rhein” (in: „Der Dichter in dieser Zeit“, S. 401) erfahren:

Der Blick von seinem Haus „Kore“ auf die im „toskanischen Stil“ errichtete Villa Herresberg (vgl. Dorothee Andres: „Carpe Diem“, S. 174) am anderen Rheinufer verführt ihn zum romantischen Träumen, der Anblick des geschäftigen Stroms mit seinem internationalen Verkehr jedoch lässt ihn zur politischen Vision eines friedlich geeinten Europa erwachen.

Ähnliches gilt für Ferdinand Freiligrath rund hundert Jahre früher, wie sein Gedicht „Von unten auf!“ (in: „Ça ira!“ – 1846) zeigt:

Im Bild einer Rheindampferfahrt zeichnet er eine vom Klassenkontrast geprägte Gesellschaft, deren Überwindung im vorrevolutionären Bewusstsein des „Proletarier-Maschinisten“ Gestalt und Kraft gewinnt. Romantische Rheinimpressionen und der akute königlich-preußische Burgenstolz werden vom Feuer des Volkszorns bedroht.

Hier noch einmal das vorläufige Programm der Fahrt an den literarisch anregenden  Rhein:

8.30 Uhr      Abfahrt: StA-Schulzentrum in Schweich (Stefan-Andres-Straße)

10.30 Uhr    Führung durch Unkel (u. a. zum Haus „Kore“)

11.45 Uhr    Mittagspause

13.45 Uhr    Weiterfahrt zum Kloster Heisterbach

 Führung und Kaffeepause

16.30 Uhr    Heimfahrt (Rückkunft in Schweich ca. 18.30 Uhr).

Fahrtkostenbeitrag: 20 €. Gäste sind willkommen.

Anmeldung:  Andrekastner1948@aol.com – Tel.: 06502/937648

wokeil40@t-online.de – Tel.: 0651/67177

Im Namen der Stefan-Andres-Gesellschaft mit freundlichen Grüßen

Ihr Wolfgang Keil

Anhang: „Von unten auf!“ und „Europa auf dem Rhein

 

Rundbrief Nr. 85 – Im August 2014

Einladung zu einer Tagesfahrt nach Unkel und Heisterbach

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Leserinnen und Leser!

Am 13. September (Sa) unternimmt die Stefan-Andres-Gesellschaft einen Ausflug nach Unkel am Rhein und zur Klosterruine Heisterbach im Siebengebirge.

In Unkel hatte die Familie Andres für zehn Jahre ihren Wohnsitz („Haus Kore“), nachdem sie 1949 aus der unfreiwilligen Emigration zurückgekehrt war.

Das idyllische Städtchen in der Nähe urbaner Zentren (Bonn/Köln/Düsseldorf) hat schon vor und auch noch nach Stefan Andres Schriftsteller, Künstler sowie Politiker angezogen. So lebten dort z. B. Arthur Schopenhauers Mutter und Schwester, der Freiheitsdichter Ferdinand Freiligrath (s. Freiligrath-Haus) und die Bundeskanzler Konrad Adenauer und Willy Brandt (s. Forum und Wohnhaus).

Die Ruine des von Mönchen der Abtei Himmerod 1192 gegründeten Zisterzienserkloster Heisterbach begegnet uns in der Malerei des 19. Jahrhunderts als Motiv der Gestaltung einer romantisierten mittelalterlichen Kulturlandschaft.

Bis in die Lesebücher hinein bekannt war früher auch die Legende „Der Mönch von Heisterbach“, in der auf metaphysische Weise die Relativität der Zeit erfahren wird.

Vorläufiges Tagesprogramm:

8.30 Uhr Abfahrt: StA-Schulzentrum in Schweich (Stefan-Andres-Straße)

10.30 Uhr Führung durch Unkel

11.45 Uhr Mittagspause

13.45 Uhr Weiterfahrt nach Heisterbach

Führung und Kaffeepause

16.30 Uhr Heimfahrt (Rückkunft in Schweich ca. 18.30 Uhr).

Fahrtkostenbeitrag: 20 €. Gäste sind willkommen.

Bitte teilen Sie uns bis zum 25. August mit, ob Sie an der Fahrt teilnehmen möchten.

Kontakt: Andrekastner1948@aol.com – Tel.: 06502/937648

wokeil40@t-online.de – Tel.: 0651/67177

In der Hoffnung, dass das Programm Ihr Interesse findet, verbleibe ich im Namen der StAG

mit freundlichen Grüßen

Ihr Wolfgang Keil

 

 

Rundbrief Nr. 84 – Im Juli 2014

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Leserinnen und Leser!
„2000 Jahre Schifffahrt auf der Mosel“

lässt eine Ausstellung im Stadtmuseum Simeonstift Trier bis März 2015 lebendig werden.

Der Besucher erfährt, was der Fluss für das Leben unserer zentraleuropäischen Region immer schon bedeutet hat und wie die Mosella sich im Laufe der Geschichte „vom römischen Transportweg zum einenden Band Europas“ entwickeln konnte.

Als Transport- und Kommunikations-, vor allem aber als Lebensstraße feiert auch der an „Deutschlands ältestem Weinfluss“ (s. „Weinpilgerbuch“) geborene Schriftsteller Stefan Andres seine römische Mosella. Im Umgang mit diesem „Femininum unter den Wasser-läufen“ erteilt er den heiteren Rat, bei der Fahrt auf dem mäandernden Fluss auf technische Orientierungshilfen zu verzichten und sich stattdessen hinreichend mit „gläsernem Ballast“ zu versehen, und so „der Geschichte freien Lauf zu lassen“ (s. Anhang).

Von der Mosel an den Rhein

„Zum einenden Band Europas“ entwickelt sich für Stefan Andres in seinen Unkeler Jahren schließlich der deutscheste Strom, ein Maskulinum unter den Wasserläufen: der Rhein.

In seiner feuilletonistischen Impression „Europa auf dem Rhein“, die 1952 in der  Festschrift „750 Jahre St. Pantaleon Unkel am Rhein“ erschienen ist, verarbeitet Andres seine Vision eines gerade erst aufkeimenden friedlich geeinten Europa. (s. Anhang zum Rundbrief Nr. 81)

Vorankündigung:

Am 13. September 2014 unternimmt die Stefan-Andres-Gesellschaft eine Tagesfahrt nach Unkel am Rhein, dem langjährigen Wohnsitz der Familie Andres, und zur Klosterruine Heisterbach im Siebengebirge mit jeweiligen Führungen.

Fahrtkostenbeitrag 20 €. –  Gäste sind willkommen.

Eine Einladung mit Beschreibung der Fahrt erfolgt in einem der nächsten Rundbriefe.

Für die StAG mit freundlichen Grüßen

Ihr Wolfgang Keil

Anlage: „Liebevolle Ratschläge an einen Moselpilger“ von Stefan Andres

 

Rundbrief Nr. 83 – Im Juni 2014

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Leserinnen und Leser!

„Utopia“ ist nicht länger nirgendwo, sondern seit 2013 in Düsseldorf.

Dies kann füglich behauptet werden, seit Günther Nicolin, Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats der StAG, das über Jahrzehnte unauffindbare Manuskript der Novelle im Heinrich-Heine-Institut in Düsseldorf entdeckt hat.

Die Novelle „Wir sind Utopia“ von Stefan Andres war im Jahre 1942 in der Frankfurter Zeitung im Vorabdruck erschienen, hatte 1943 zunächst die Zensur passiert, war aber kurz nach ihrem Erscheinen in Buchform doch noch verboten worden, weil Andres’ Methode des „verdeckten Schreibens“ aufgedeckt worden war. Verdeckt bzw. verborgen blieb jedoch das Manuskript. In den 50er Jahren avancierte die Novelle zum populärsten Werk von Stefan Andres – das
Manuskript jedoch blieb verschwunden.

Dessen unerwartete Entdeckung wird nun Gegenstand eines Vortrags, den Günther Nicolin im Rahmen der Jahreshauptversammlung der StAG am 28. Juni, um 10.00 Uhr, im Niederprümer Hof in Schweich halten wird.

Unser Referent wird unter dem Titel: „Die Odyssee einer Handschrift. Zur Entdeckung des bislang verschollenen Manuskripts von Wir sind Utopia.“ über seinen wahrhaft sensationellen Fund im Heinrich-Heine-Institut in Düsseldorf berichten und dabei u. a. der Frage nachgehen, warum das Manuskript der im Februar 1942 im Vorabdruck erschienenen Novelle mehr als siebzig Jahre im Verborgenen zugebracht hat. Und wir werden uns mit Hilfe der Faksimile-Kopien, die Günther Nicolin dem Archiv des StA-Museums übergeben wird, ein Bild von der handschriftlichen Fassung des Werkes machen können mit ihren vielfältigen Streichungen, Einfügungen und Umformungen. Selbst eine Porträt-Skizze aus der Hand des Malers bzw. Zeichners Andres findet sich in der Originalhandschrift: Wir erblicken das Gesicht Pacos vor
klösterlichem Hintergrund.

Mitglieder und Gäste sind herzlich dazu eingeladen, die Spuren des Schaffensprozesses an einer der meistgelesenen Novellen des 20. Jahrhunderts zu verfolgen.

Für die Stefan-Andres-Gesellschaft mit den besten Wünschen zum Pfingstfest und mit freundlichen Grüßen

Ihr Wolfgang Keil

 

Rundbrief  Nr. 82 – Im April 2014

Einladung

Die Stefan-Andres-Gesellschaft lädt ein zu einer

Wanderung von Schweich nach Bekond (ca. 7 KM)

am Samstag, dem 10. Mai 2014.

Wir treffen uns um 12.00 Uhr im Niederprümer Hof (Parkmöglichkeit). Von dort führt uns der Weg in Richtung Obersäßer Brunnen bei der ehem. Schweicher Eisenerzgrube „Morgenstern“.
Von der Höhe Mahlen aus – in der Nähe soll das Oberbecken des Pumpspeicherwerks entstehen – durchqueren wir den Atzertwald, der mitsamt
Maroul, Marscheid und „Einertsmühle“ (Andres-Mühle) Erwähnung findet bzw.
zum Schauplatz wird in:

–   der Novellette „Der Abbruch ins Dunkle“,

–   den Romanen „Eberhard im Kontrapunkt“ und „ Der Knabe im Brunnen“.

Die Wanderung endet am ehem. Kesselstatt’schen Schloss in Bekond, das offenbar Modell gestanden hat für entsprechende Baulichkeiten in:

–   den Novellen „Utz, der Nachfahr“  und „Gäste im Paradies“.

Gegen 15.00 Uhr Einkehr im Gasthof Pelzer in Bekond.

*****

Wenn Sie an diesem von Lesungen begleiteten Gang durchs Andres-Land teilnehmen möchten, lassen Sie uns das bitte wissen wegen evtl.
Fahrdiensteinrichtung.
Anmeldungen bei:

Andrekastner1948@aol.com – Tel.: 06502/937648

wokeil40@t-online.de  – Tel.: 0651/67177

Freuen wir uns auf einen vergnüglichen Tag!

Für die Stefan-Andres-Gesellschaft mit freundlichen Grüßen

Ihr Wolfgang Keil

 

Rundbrief Nr. 81 – Im April 2014

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Leserinnen und Leser!
Dem Schriftsteller Stefan Andres, der sich in einer autobiographischen Notiz als „Zuschauer des Lebens“ bezeichnet, wird in den 50er-Jahren – nach der Piazza von Positano – das idyllische Städtchen Unkel am Rhein Loge („Loggia“) und Bühne zugleich.

Und von dort, vom deutschen Rhein, empfangen wir hoffnungsfrohe europäische Frühlingsgrüße in Andres’ feuilletonistischer Impression „Europa auf dem Rhein“ (s. Anhang).

Im Bild des Stroms fließen dem Schauenden zusammen: Mythisches und Historisches, Gegenwärtiges und Zukünftiges, Triviales und Erhabenes, Wirklichkeit und Vision … Privates verwandelt sich dem Politischen an, dem aufgehenden Jahr entspricht die aufkeimende Gestalt eines ersehnten Europa.

Um dem Genius Loci des Städtchens näherzukommen, planen wir für den September dieses Jahres eine Fahrt nach Unkel.

Vorher, und zwar am 10. Mai, wird die StAG von Bekond nach Klüsserath Andres-Land erwandern. Die Einladung an Mitglieder und Gäste wird demnächst erfolgen.

Ich hoffe, die Veranstaltungen und der Anhang finden Ihr Interesse.

Für die Stefan-Andres-Gesellschaft mit den besten Wünschen und Grüßen zum Osterfest

Ihr Wolfgang Keil

Anhang:   „Europa auf dem Rhein“ von Stefan Andres

 

Rundbrief Nr. 80 – Im März 2014

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Leserinnen und Leser!

Saisongemäß könnte hier ein Auszug aus Stefan Andres’ Novelle „Die Vermummten“ (1937, zuletzt in: „Gäste im Paradies. Moselländische Novellen“, Göttingen 2008) erscheinen.

Da die Novelle jedoch die düstere, unheilvolle Seite der Fastnacht mit ihrem Mummenschanz schildert, soll ein Text gewählt werden, der sich einer literarischen Maskierung bedient.

Es handelt sich um eine autobiographische Notiz im Anhang einer Anthologie religiöser Lyrik aus dem Jahr 1934, die auch vier Gedichte von Stefan Andres enthält. Das Besondere dieser autobiographischen Anmerkung besteht darin, dass sie in der Maske der 3. Person verfasst ist.

Die so gewonnene Distanzierung eröffnet die Möglichkeit eines selbstironischen Umgangs mit der eigenen Person, dem wir im Falle Andres
sonst am ehesten in dem Roman „Der Knabe im Brunnen“ begegnen.

Viel Freude beim Lesen der heiter-ernsten Selbstdarstellung!

Für die Stefan-Andres-Gesellschaft mit freundlichen Grüßen

Ihr Wolfgang Keil

Anhang: Autobiographische Notiz

 

 

Rundbrief Nr. 79  Im Februar 2014

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Leserinnen und Leser!

in der Reihe des Saarländischen Rundfunks. In der Zeit vom 3. bis zum 15. Februar sendet SR 2 KulturRadio die zehnteilige Lesung jeweils nachmittags um 15:05 Uhr.

Wir freuen uns auf die im O-Ton erzählten aufschlussreichen und unterhaltsamen Episoden aus der Kindheit des Schriftstellers, die uns in die
Jahre vor dem Ersten Weltkrieg zurückversetzen werden.

Die diesjährige Mitgliederversammlung der StAG findet am Samstag, dem 28.  Juni, um 10.00 Uhr, im Niederprümer Hof in Schweich  statt.  Dazu und zum Vorabend-Treffen werden Ende Mai die Einladungen ergehen.

Weitere Termine und Veranstaltungshinweise entnehmen Sie bitte den Rundbriefen der StAG, die auch auf unserer Homepage unter dieser Rubrik mitgelesen werden können. – Die Rundbriefe erhalten Sie, wenn Sie Ihre Mail-Adresse angeben. Zur Homepage googelt man einfach mit „Stefan Andres Gesellschaft“. Die Rubrik „Presse“ ist aktualisiert, und die Rubrik„Register der Mitteilungen der StAG“ wird fortgeschrieben.

Im Anhang finden Sie ein Register derjenigen Werke/Texte von Stefan Andres, die seine Frau, Dorothee Andres, in „’Carpe Diem!’. Mein Leben mit Stefan Andres“ (Bonn 2009) erwähnt.

Ich hoffe, die alphabetisch geordnete Liste mit insgesamt 65 Titeln erweist sich als hilfreich bei der Suche nach den Umständen der Entstehung,
Veröffentlichung und Aufnahme von Andres’ Werken in der Zeit von 1931 bis 1970.

Für die StAG mit freundlichen Grüßen

Ihr  Wolfgang Keil

 

Anhang: Werkregister zu „Carpe Diem!”

 

Rundbrief Nr. 78 – Im Januar 2014

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Leserinnen und Leser!

Aus der Sicht der StAG war der beeindruckende Höhepunkt des Jahres 2013 die  Verleihung des Stefan-Andres-Preises an Hanns-Josef Ortheil sowie dessen Lesung aus der „Moselreise“ in der überfüllten Synagoge in Schweich. – Schon vorher hatte eine TV-Schlagzeile H.-J. Ortheils Hochschätzung des Schriftstellers Andres verkündet: „Stefan Andres ist einer der ganz großen Erzähler“.

Außerordentlich gut besucht war auch der gesellige Abend „Literatur und Weinkultur“ mit den Rezitatoren E. Angel und H. Lachmund, mit dem Duo UNO (U. Bös, N. Olk) und R. Marmann  vom Weingut Marmann-Schneider.

Erfreulich war im Sommer das Interesse an der von M. Frede, P. Kruse und Ch. Sartoris organisierten Wanderung zum „Ginsterhaus“, dem fantastisch gelegenen Domizil des Autors auf Zummet über Leiwen, dessen Bedeutung für Andres H. Erschens erläuterte.

In publizistischer Hinsicht höchst befriedigend ist die Resonanz des im Oktober 2013 neu aufgelegten Romans „Die unsichtbare Mauer“. Mittlerweile haben 250 resp. 300 der insgesamt 500 Exemplare den Weg zur Leserschaft gefunden.

Über Veranstaltungen und Aktivitäten der StAG, die im Jahr 2014 anstehen, werden wir Sie wieder per Rundbrief, Homepage („Stefan-Andres-Gesellschaft“) und Presse (TV,  Amtsblatt) informieren.

Vorschau auf Januar und Februar 2014:

In der Reihe „20 Köpfe aus 2000 Jahren. Menschen schreiben Weltgeschichte“ des Trierischen Volksfreundes (vgl. Buchausgabe 2013) wird der Andres-Artikel am 4. Januar 2014 im Kulturteil erscheinen.

Wie Dr. R. Schock von der Literaturredaktion HF mitteilt, plant der Saarländische Rundfunk eine Wiederholung der Lesung aus „Der Knabe im Brunnen“ von 2008.  Die Lesung in 10 Folgen (im O-Ton Andres) wird im
Februar (3.2. – 15.2.) vom SR ausgestrahlt.

Für das Jahr 2014 wünsche ich Ihnen im Namen der StAG Glück und Segen, Gesundheit und heitere Zufriedenheit!

Ihr Wolfgang Keil

Anhang: Wir schauen mit Stefan Andres 100 Jahre zurück und schreiben das Jahr 1914.

 

Rundbrief Nr. 77 – Im Dezember 2013

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Leserinnen und Leser!

In der Betrachtung „Mein liebes, altes Trier!“ von Stefan Andres bewegt sich der kleine Steff während eines winterlichen Trier-Besuchs zwischen Kaiserpalast und Weihnachtskrippe:

Lange war ich in Mutter gedrungen, dass wir bei einem unserer Besuche auch einmal nach Olewig hinauspilgern sollten, um die Arena zu sehen. Ich hatte in der Schule allerlei von diesem Ort gehört, und der Name schmeckte mir, wohl durch eine Erzählung des Lehrers angeregt, nach Salböl, Weihe oder gar nach Ewigkeit. Meine Etymologie stand noch ganz im Beginn und war darum wie die des Jakobus de Voragine höchst fantasievoll und für alle Möglichkeiten geöffnet. Auch meine Mutter liebte diese Berührungen mit der abgeschlossenen Zeit. Besonders gern weilte sie in den Ruinen des Kaiserpalastes – ich glaubte arglos dem Namen und stellte mir vor, wie hier die Kaiser gelebt hätten. Wenn die Sonne abends darauf schien, sahen die römischen Ziegel wie Gold aus, und ich ergänzte die fehlenden Teile, so gut ich vermochte. Diese meine Rekonstruktionen der Fantasie ähnelten zwar meinen etymo-logischen Versuchen, doch waren sie äußerst prächtig. Die rundbogigen Fenster, die ich sowohl im Kaiserpalast wie im Dom fand, verlockten mich, die offenen Ruinen zu einem riesigen Dom, fast wie ich ihn kannte, zu erweitern und mit goldenen Kuppeln abzuschließen. Und im Mittelschiff saß, wo im wirklichen Dom der Hauptaltar stand, in meinem einge-bildeten Palast der Kaiser Konstantin, ganz in Gold gekleidet. Derweil sangen aus den goldenen Kuppeln viele Glockenstimmen: „Erhabene Stadt der Trierer, Mitte des Erdkreises!“ Und das wiederholten die erzenen Stimmen so lange, bis ich merkte, dass die Sonne untergegangen und es Zeit war, zu  meinen Bekannten zu gehen, wo ich einmal in der Winterzeit einige Tage wohnte, um die Weihnachtskrippe zu besichtigen.

Stefan Andres: Der Dichter in dieser Zeit. Reden und Essays. Hg. von Christopher Andres und Michael Braun. Wallstein Verlag,  Göttingen 2013.

Postkarte, wie sie Andres zum Zweck des Broterwerbs produzierte und in Positano an die Alliierten verkaufte.  Vgl. die Erwähnung der Notsituation in seinem Roman „Der Taubenturm“.

Cartolina

 

 

 

 

 

Mit Stefan Andres’ cartolina wünsche ich Ihnen ein Frohes Weihnachtsfest!

Für die Stefan-Andres-Gesellschaft mit freundlichen Grüßen
Ihr Wolfgang Keil

 

Rundbrief Nr. 76 – November 2013

Einladung

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Leserinnen und Leser!

Zum diesjährigen Abend „Literatur und Weinkultur“ lädt Sie die Stefan-Andres-Gesellschaft ein für

Freitag, den 29. November, 19.00 Uhr,

in den Seminarraum des Niederprümer Hofs in Schweich.

Um eine Weinprobe, in der Rita Marmann ausgewählte „Andres-Weine“ des Familienweinguts Marmann-Schneider kredenzt, wird sich eine Lesung mit Emil Angel (Esch-sur-Alzette) und Horst Lachmund (Trier) ranken.

Mit ihren heiter-besinnlichen Glossen und Versen erzeugen die Autoren ein zweisprachiges literarisches Miteinander als Ausdruck der kulturellen Gemeinsamkeiten und Besonderheiten der Großregion.

Für die musikalische Gestaltung dieses „Hüben & Drüben“/“Dёs Säit & Déi Säit“ wird das Duo Uno (Uschi Bös und Norbert Olk) mit europäischen Weisen sorgen.

Der Eintritt ist frei.

Die begrenzte Besucherzahl macht jedoch eine Anmeldung erforderlich.

Tel.: 0651/67177, wokeil40@t-online.de oder Tel.: 06502/9376, andrekastner1948@aol.com <mailto:andrekastner@aol.com> .

Wir freuen uns auf Ihren Besuch!

Für die StAG mit freundlichen Grüßen

Ihr Wolfgang Keil

 

Anhang: Eine folgenreiche Weinprobe oder

Der „Eintritt“ Trittenheims in den Ersten Weltkrieg

(Auszug aus: „Die unsichtbare Mauer“ von Stefan Andres)

 

Rundbrief Nr. 75 – Oktober 2013

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe  Leserinnen und Leser!

Wir freuen uns, Ihnen mitteilen zu dürfen, dass der Roman „Die unsichtbare Mauer“ von Stefan Andres aus Anlass des hundertjährigen Bestehens der Dhrontalsperre nun in einem kommentierten Neudruck erschienen ist.
Stefan Andres: Die unsichtbare Mauer. Roman

Mit einem Nachwort von Wolfgang Keil

und einem Glossar von Hermann Erschens und Herbert Pies.

235 Seiten, Softcover

Druck und Verarbeitung: Druckhaus Neu GmbH, Trier

Titelgestaltung: W.I.W. Baumeister

Herausgegeben von der Stefan-Andres-Gesellschaft e.V.

Der Roman von 1934 schildert wirklichkeitsnah und lebendig, wie vor hundert Jahren der Plan eines jungen Ingenieurs, eine Talsperre zur Elektrizitätsgewinnung für das Trierer Land zu bauen, die Dhrontalmüller, denen eine radikale existenzielle Veränderung bevorstand, in Unruhe und Aufruhr versetzte. Das Werk, das sich als Zeitdokument sowie als Milieu-, Beziehungs- und Problemstudie lesen lässt, kann seine Aktualität gerade angesichts heutiger Projekte und Veränderungserfahrungen behaupten.

Großzügige Spenden ermöglichen einen Preis von nur 12.50 €.

Mitglieder der StAG erhalten den Roman für 10.00 €, Lehrer, Rezensenten und Lerngruppen (Klassen, Kurse, Seminare) zur Erprobung bzw. Beurteilung ggf. kostenlos.

Das Erscheinen dieser Neuausgabe verdankt die StAG den folgenden Sponsoren:

Ulrike Jauslin-Simon

Sparkasse Trier

Raiffeisenbank Mehring-Leiwen

Landkreis Trier-Saarburg

Gemeinde Leiwen

SWT (Stadtwerke Trier)

RWE Deutschland

Christel Sartoris

Matthias Simon

Alex Rosch

Laufgemeinschaft Mittelmosel Leiwen

Hermann Schneider

Weingut St. Urbanshof

Ich wünsche Ihnen viel Freude beim Erleben dieser einzigartigen Romanwelt!

Für die StAG mit freundlichen Grüßen

Ihr Wolfgang Keil

 

Rundbrief Nr. 74 – September 2013

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Leserinnen und Leser!

Im August führte die Literatur-Wanderung der Stefan-Andres-Gesellschaft zum Leiwener „Ginsterhaus“ auch auf die Höhe des Berges Cron.
Aus dieser luftigen Perspektive bot sich den Teilnehmern ein Blick auf die Breitwieser Mühle mit dem Geburtshaus von Stefan Andres in der Tiefe des Dhrontals.
Aus ähnlicher, fast vertikaler Sicht findet die Sonne ihren Weg bis weit hinunter in den „feiertäglichen Kaffeesatz“, mit dem die Talbewohner in dem Roman „Die unsichtbare Mauer“ das „Festliche eines Dhrontalsonntags“
genießen. (s. Anhang)
Was dort unten so friedlich und feierlich erscheint, hat den Charakter eines Idylls, zu dem allerdings nach Stefan Andres jener „aus dem berüchtigten Mondschein gesponnene, unwirkliche Faden durch ein Gewebe sackgrober
Tatsachen“ gehört.
Die ambivalente Schilderung des Dhrontalsonntags findet sich auch in der Textsammlung „Stefan Andres. Die Weltenmühle“, die als Heft 4 der „Schriftenreihe der StAG“ 2012 erschienen ist. Sie ist entnommen dem ersten
Kapitel des Romans „Die unsichtbare Mauer“, der demnächst als Neuauflage mit Nachwort und Glossar erhältlich sein wird.
Mitglieder werden den Roman zum ermäßigten Preis erwerben können. Zur Erprobung im Unterricht werden Exemplare kostenlos zur Verfügung gestellt.

Wir wünschen ihnen viel Freude beim Lesen bzw. Wiederlesen dieses frühen Werks von Stefan Andres!

Für die StAG mit freundlichen Grüßen

Ihr Wolfgang Keil

Anhang: Dhrontalsonntag (Roman-Ausschnitt)

 

Rundbrief Nr. 73 – August 2013

Nachtrag zur Einladung

„Wanderung zwischen Leiwen und Trittenheim“

am Samstag, dem 17. August 2013.

Vom Parkplatz Zummeter Höhe starten wir zu einer zweistündigen Umrundung des  Berges Cron – vorbei an Reiterhof und Vogelsang und mit Blick auf Dhrönchen, die Breitwies, Trittenheim und Leiwen.

Teilnehmer, die auf den Rundgang verzichten möchten, treffen uns zwischen 14 und 14.30 Uhr beim/im Restaurant Zummeter Hof.

Gegen 15.00 Uhr finden wir uns am „Ginsterhaus“ ein – zur Besichtigung  ehemaliger Andres-Räume und zu einem Imbiss im Garten.

Anmeldungen bitte bis 14. August 2013 bei:

Andrekastner1948@aol.com – Tel.: 06502/937648

wokeil40@t-online.de – Tel.: 0651/67177

Wir freuen uns auf einen angenehmen Spaziergang und eine interessante Besichtigung! Die Wettervorhersage klingt günstig.

Für die StAG mit freundlichen Grüßen

Ihr Wolfgang Keil

Anhang:  Hier finden Sie die Einladung der KEB zu einer literarischen Moselfahrt. Die Namen der Autoren/Rezitatoren werden Ihnen vertraut erscheinen.

Informationen zur Fahrt mit dem LITERATUR.SCHIFF.TRIER2013

Kurzbiographien der beteiligten Künstler

 

Rundbrief Nr. 72 – August 2013

Sehr geehrte Damen und Herren,  liebe Leserinnen und Leser,

im Anhang finden Sie die Einladung der StAG zu einer kleinen Wanderung zu  Stefan Andres’ sog. Ginsterhaus.

Für die StAG mit freundlichen Grüßen

Ihr Wolfgang Keil

 

Einladung August 2013

 

 Rundbrief Nr. 71 – Juli 2013

Sehr geehrte Damen und Herren,  liebe Leserinnen und Leser!

Die diesjährige Verleihung des Stefan-Andres-Preises der Stadt Schweich gestaltete sich als ein beeindruckendes literarisches Ereignis!
Deshalb sei im Anhang ein Rückblick unternommen, der Hanns-Josef Ortheils besondere Beziehung zu Stefan Andres in Erinnerung
bringen soll.

Für die StAG mit freundlichen Grüßen

Ihr Wolfgang Keil

Anhang: 1 Hanns-Josef Ortheils „Jüngste Moselreise“

2 Ortheil und Andres – beinahe eine literarische Symbiose

 

Rundbrief Nr. 70 – Juni 2013

Sehr geehrte Damen und Herren,  liebe Leserinnen und Leser!

Der Tag der Verleihung des Stefan-Andres-Preises der Stadt Schweich an Hanns-Josef Ortheil rückt näher.

Deshalb hier nochmals die Daten:

Der festliche Akt der Preisverleihung findet statt am Sonntag, dem 30. Juni 2013, um 11.30 Uhr, in der Synagoge Schweich.

Am Vorabend, also am Samstag, dem 29. Juni, um 19.00 Uhr, ebenfalls in der Synagoge, liest Hanns-Josef Ortheil aus seinem Roman

Die Moselreise.

Der Eintritt für beide Veranstaltungen ist frei.

Wir freuen uns auf Ihren Besuch!

Für die Stefan-Andres-Gesellschaft mit freundlichen Grüßen

Ihr Wolfgang Keil

Anhang: Die Porta Nigra als Prüfstein – Ortheil und Andres im Textvergleich

 

Rundbrief Nr. 69 – Mai 2013

Sehr geehrte Damen und Herren,  liebe Leserinnen und Leser!

Einladung

zu einer Lesung mit Hanns-Josef Ortheil.

Als Einstimmung auf die feierliche Verleihung des Stefan-Andres-Preises  der Stadt Schweich liest H.-J. Ortheil aus seinem Roman
„Die Moselreise“

am Samstag, dem 29. Juni 2013, um 19.00 Uhr, in der Synagoge Schweich.

Der Eintritt ist frei.

Wir freuen uns auf Ihren Besuch!

Für die StAG mit freundlichen Grüßen

Ihr Wolfgang Keil

Anhang: Ortheil Moselreise: Leseprobe aus dem Rundbrief Nr. 59

 

Rundbrief Nr. 68  -  Ostern 2013

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Leserinnen und Leser!

Die Dimitri-Episode in Stefan Andres’ Roman “Der Knabe im Brunnen” (1953) spielt in der österlichen Zeit 1917 und schildert, wie ein achatenes Kleinod zum Sinnbild individueller Freundschaft und universaler Versöhnung erhoben wird.

Im Namen der Stefan-Andres-Gesellschaft sendet Ihnen die besten Wünsche zum Osterfest

Ihr Wolfgang Keil

Anhang: Österliche Begegnung

 

Rundbrief Nr. 67 – März 2013

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Leserinnen und Leser!

Wir freuen uns, Ihnen mitteilen zu können, dass der Schriftsteller Hanns-JosefOrtheil in diesem Jahr den Stefan-Andres-Preis der Stadt Schweich entgegennehmen wird. Mit ihrem einstimmigen Votum vom 15. März 2013 würdigt die Jury das eminente literarische Werk des Preisträgers Hanns-Josef Ortheil ebenso wie dessen geradezu wahlverwandtschaftliche Nähe zu Stefan Andres. Diese wird u. a. angezeigt durch die an Andres erinnernde Wahl der kulturellen Räume in Romanen wie „Faustinas Küsse“ (1998) oder „Die Erfindungdes Lebens“ (2009), und sie manifestiert sich ganz ausdrücklich und sehr eindringlich in dem reizvoll-rührenden, deutlich biographischen Werk „DieMoselreise. Roman eines Kindes“ (2010). Indem der „Bub“ diese Reise von 1963 dokumentiert, gewinnt er seine Sprache und verfasst damit zugleich die Erzählung
von Vater und Sohn – derjenigen nicht unähnlich, die er in Andres’ Roman „Der Knabe imBrunnen“ geschildert findet.
Freuen wir uns also darauf, dass Hanns-Josef Ortheil im Juni dieses Jahres wieder eine Moselreise nach Schweich unternehmen wird!

Genaueres zum Akt derPreisverleihung wird bald folgen.

Für die Stefan-Andres-Gesellschaft mit freundlichen Grüßen

Ihr Wolfgang Keil

Anhang: Ortheil Moselreise: Auszüge aus „Die Moselreise.Roman eines Kindes.“ 2010 Luchterhand, München

 

Rundbrief Nr. 66 – Februar 2013

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Leserinnen und Leser!

Ende vorigen Jahres ist das Heft Nr. 4 der „Schriftenreiheder Stefan-Andres-Gesellschaft“ erschienen. Es versammelt sechzehn Texte unter dem Titel„Stefan Andres: Die Weltenmühle – Texte zu einer doppelgesichtigen Welt“.

Die für den Autor repräsentative Sammlung dürfte alsanregende Lektüre empfunden werden. Dafür bürgen sicher Texte wie dieKurzgeschichte „Das Trockendock“ (1941) mit seiner besonderen Fortschritts- und Freiheitsproblematik oder auch die makabren Satiren „Das Taubenschießen“ und„Die Stelzen“ (1943).

Wie das Heft Nr. 3 „ Poetischer Einfall – politische Zensur.Kurzprosa von Stefan Andres aus den Jahren 1933 bis 1945“ ist auch das Heft Nr.4 (78 Seiten) zum Preis von 4.50 € bei der StAG erhältlich. – Zur Erprobung inKlassen (ab 7.) und Kursen stellen wir es kostenlos zur Verfügung.

Für die Stefan-Andres-Gesellschaft mit freundlichen Grüßen

Ihr Wolfgang Keil

Anhang: Weltenmühle_Titelparabel

 

Rundbrief Nr. 65 – Weihnachten 2012

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Leserinnen und Leser!

Mit einer Reminiszenz von Dorothee Andres aus dem Jahre 1945 (s. Anhang) verbinde ich die besten Wünsche zum Weihnachtsfest und zum Neuen Jahr.

Für die Stefan-Andres-Gesellschaft mit freundlichen Grüßen

Ihr Wolfgang Keil

Rundbrief Nr. 65 Anhang

 

Rundbrief Nr. 64 – Dezember 2012

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Leserinnen und Leser!

Die Resonanz auf den geselligen Abend im November war so erfreulich, dass wir auch für das kommende Jahr eine Veranstaltung mit dem Thema “Literatur und Weinkultur” vorsehen.
Es ist wohl die Mischung aus “Irdischkeit” (s. Legende im Anhang) und Geistigkeit, die gefällt und die so typisch ist für Stefan Andres.

Und wie um dies zu bestätigen, taucht ein uns bisher unbekannter Andres-Text aus dem Jahre 1937 in diesem Stil und mit diesem Tenor auf. Es handelt sich um eine Legende, die unser Mitglied Manfred Mossmann aus den Archiven des Fränkischen Kuriers ans Tageslicht befördert hat.

Viel Freude beim Lesen der Legende!

Für die Stefan-Andres-Gesellschaft mit freundlichen Grüßen

Ihr Wolfgang Keil

Anhang: Die Tugend an sich im Küchengarte. Legende. Von Stefan Andres

 

Rundbrief Nr. 63 – Im Oktober 2012

Einladung

Die Stefan-Andres-Gesellschaft lädt ein zu einem geselligen Abend unter dem Motto

„Literatur und Weinkultur“.

Die Veranstaltung findet statt

am Donnerstag, dem 22. November, um 19.00 Uhr,

im Seminarraum des Niederprümer Hofes in Schweich.

Zu einer Weinprobe mit ausgewählten „Andres-Weinen“ des Winzers Schmitz-Schweicher und der Begleitmusik des Duos Uno (Uschi u. Norbert) werden wir neue anekdotische Texte von Emil Angel hören.

Der luxemburgische Autor liest aus dem Folge-Band seiner zweisprachigen Werkes „Von Hippches op Haapches / Vom Hundertsten ins Tausendste“, das in der Reihe “Hüben und Drüben“ im S.Mo-Verlag erschienen ist. Die Sammlung teils heiterer, teils besinnlicher literarischer Miniaturen präsentiert die kulturellen und sprachlichen Gemeinsamkeiten und Besonderheiten der „Großregion“ diesseits und jenseits der deutsch-luxemburgischen Grenze.

Der Eintritt ist frei.

Nach dem erfreulichen Zuspruch, den der Dorothee-Andres-Abend im Oktober gefunden hat, hoffen wir, dass auch das großregional-lokale Programm des geselligen Abends Ihr Interesse findet – dass Sie z. B. wissen wollen, warum jemand ausgerechnet einen Porzellankater töten möchte.

 

Für die Stefan-Andres-Gesellschaft mit freundlichen Grüßen

 

Ihr Wolfgang Keil

 

 

Rundbrief Nr. 62 – September 2012

Einladung

Die Stefan-Andres-Gesellschaft lädt ein zu einem Dorothee Andres-Abend

am Freitag, dem 19. Oktober 2012, 19.00 Uhr,

im Seminarraum des Niederprümer Hofes in Schweich.

 

Anlässlich der 10. Wiederkehr des Todestages von Dorothee Andres geb. Freudiger (* 26. März 1911 Lomnitz/Riesengebirge, + 25. Oktober 2002 Rom) soll die Leistung der Frau an der Seite des Schriftstellers in einem Porträt gewürdigt werden, das entstehen wird aus

–  der Rezitation bisher unveröffentlichter Briefe,

–  der Vorstellung eines von der Hörfunkjournalistin Tatjana Wagner 1999 für den SWR arrangierten Interviews mit O-Ton,

–  aus Video-Einspielungen, die Dorothee Andres in Aktion zeigen.

Den ersten Teil des Abends gestaltet die Schriftstellerin (Quattropole-Schreiberin) Frauke Verlinden (Birtsch) mit einer Lesung aus ihrem Erzählband „Wenn es aufklart“ (2011).

Hier eine Textprobe aus dem Band:

Den Schneckenkönig habe ich nie wieder gesehen, Tante Julia erst nach vielen Jahren in einem Café. Sie saß zwischen Damen ihre Alters, alle trugen Hüte, ich hätte die Frau, die meinen Vater geheiratet hatte, nicht wiedererkannt, wenn sie nicht gerade nach der Kellnerin gerufen hätte, ihre Stimme war noch immer so schrill wie damals, sie verlangte eine Zimtschnecke, ausgerechnet. Sie bemerkte mich nicht. Ich glaube, sie hat nur dieses eine Mal wirklich Notiz von mir genommen, als wir uns durch das Fenster in die Augen sahen.

In der Hoffnung, dass das Programm um Dorothee Andres Ihr Interesse findet, verbleibe ich für die StAG

mit freundlichen Grüßen

Ihr Wolfgang Keil

 

Rundbrief Nr. 61 – August 2012

Ankündigung

Am 19. Oktober 2012 veranstaltet die Stefan-Andres-Gesellschaft einen Dorothee Andres-Abend, um den unschätzbaren Beitrag der Frau des Schriftstellers Stefan Andres zu dessen Leben und Werk zu würdigen.

Anhand von Briefen und Filmausschnitten soll verdeutlicht werden, dass Dorothee Andres als Ministerin nahezu aller Ressorts die Geschicke im Hause Andres lenkte, damit das literarische Werk möglichst ungestört wachsen konnte.

Aus diesem Grund hängte Stefan Andres das Bundesverdienstkreuz, das ihm 1959 verliehen wurde, ohne Rücksicht auf das Zeremoniell seiner Frau um mit der Bemerkung, „dass an diesen Verdiensten auch meine Frau einen gewissen Anteil hat“.

Vieles von dem, was das gemeinsame Leben und Schaffen des Ehepaars Andres ausgemacht hat, können wir in „’Carpe Diem!’ – Mein Leben mit Stefan Andres“ nachlesen. Die Erinnerungen schließen mit der Darstellung des unerwarteten Todes von Stefan Andres im Jahr 1970.

Damit findet zwar eine fast vierzigjährige Ehe ein abruptes Ende, aber Dorothee Andres stellt sich nun sofort in den Dienst der Bewahrung des literarischen Erbes, wie wir u. a. aus einem Brief an die Familie des Literaturwissenschaftlers Hans Bänziger erfahren:

„Dank für Euer Angebot der Hilfe; sorge mit dafür, Hans, dass Stefans Werk weiter lebendig bleibt, das ist mein einziger Wunsch!“

 

Die Beziehung zwischen Ehepartnern ist auch Thema einer Erzählung, deren Lesung den ersten Teil des Abends bilden wird. Frauke Verlinden (Birtsch), Quattropole-Stadtschreiberin der Jahre 2009 und 2010, wird ihren Erzählband „Wenn es aufklart“ vorstellen, dem eine Rezension in der Saarbrücker Zeitung besondere Qualität bescheinigt:

„Ihr Gespür für Details, die Präzision, mit der jedes Adjektiv seinen unverrückbaren Platz findet, ihr Vermögen, der Belanglosigkeit des Alltäglichen einen Moment des Innehaltens und der Sinnhaftigkeit zu verleihen, geben ihren Erzählungen etwas Bestechendes.“

 

Wenn Sie die Lesung und die Hommage für Dorothee Andres interessiert, öffnen Sie bitte den September-Rundbrief mit der Einladung.

 

Für die Stefan-Andres-Gesellschaft mit freundlichen Grüßen

 

Ihr Wolfgang Keil

 

 

Rundbrief Nr. 60 – Juli 2012

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Leserinnen und Leser!

In einer Denkschrift für den Schriftsteller Heinz Küpper beschreibt Armin Erlinghagen eine für die Andres-Leserschaft eher unerwartete Verbindung, an der neben Heinz Küpper und Heinrich Böll auch Stefan Andres teilhatte.
Erlinghagen stützt seine Beobachtung auf Notizen aus dem Nachlass Küppers, aus denen hervorgeht, dass wir es mit einer Art Dreierbund zu tun haben, wie er sich z. B. in Küppers Notiz vom 17.11.1954 manifestiert:

“Heinrich Böll, Stefan Andres und ich, wir müssten was anstellen können bei uns hier im Westen.”

Bei dieser Nähe kann man vom Austausch literarischer Ideen ausgehen, den Küpper auch ausdrücklich erwähnt. Der Befund macht neugierig und fordert zu einem zumindest punktuellen Vergleich der Werke von Andres und Böll auf. (s. Anhang)

Für die Stefan-Andres-Gesellschaft mit freundlichen Grüßen

Ihr Wolfgang Keil

Anhang zum Rundbrief Juli 2012

 

Rundbrief Nr. 59 – Juni 2012

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Leserinnen und Leser!

Unter den Archivalien bzw. Büchern, die in der Mitgliederversammlung der StAG am 30. Juni vorgestellt werden, befindet sich auch Hanns-Josef Ortheils Roman “Die Moselreise. Roman eines Kindes” von 2010. Darin schildert der elfjährige Erzähler die therapeutische Reise, die er mit seinem Vater moselaufwärts bis in die Stadt Trier der 60er Jahre unternimmt.

Ehe man sich versieht, befindet man sich bei der Lektüre auf einer Wein- und Lesereise, bei der die Andres-Werke “Die großen Weine Deutschlands” und “Der Knabe im Brunnen” leitmotivisch die Richtung vorgeben.

So ist es nur folgerichtig, dass der Erzähler bei der Wiederholung dieser Andres-Pilgerfahrt auch den Niederprümer Hof in Schweich und den Andresschen Brunnen im Dhrontal anstrebt.

Ich hoffe, die Lektüre dieser kreativen Andres-Rezeption und die Begegnung mit dem kindlichen Erzähler und Leser, dem Alter Ego Ortheils, regt zum Weiterlesen an – von H.-J. Ortheil und von Stefan Andres.

Für die Stefan-Andres-Gesellschaft mit freundlichen Grüßen

Ihr  Wolfgang Keil

Ortheil Moselreise

 

Rundbrief Nr. 58 – Mai 2012

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Leserinnen und Leser,

Einen literarischen Akzent verlieh der Luxemburger Schriftsteller Emil Angel der Fahrt der StAG in das ehemalige Erzabbaugebiet um den Titelberg bei Esch/Alzette mit seiner Rezitation aus der Erzählung “Mengem Papp seng Bréck” an eben der Stelle, wo sich einst die mächtige Erzverladebrücke mit der Arbeitsstätte seines Vaters erhob.

Die Episode erinnert in Ton und Inhalt an das Gespräch des kleinen Steff mit seinem Vater in einem Kapitel des Romans “Der Knabe im Brunnen”.

Beide Texte beinhalten “Abschiedsgespräche”, in denen die Ausrichtung der Väter auf die Welt der Arbeit deutlich wird, in denen aber vor allem die leise, tiefe Beziehung zwischen sensiblem Kind und leidendem Vater enthüllt wird. (s. Anhang)

Mehr über Stefan Andres bei der Mitgliederversammlung: Der Autor im Spiegel der Presse von 1966.
Mehr von Emil Angel am “Geselligen Abend mit Wort und Wein” im November dieses Jahres.

Für die Stefan-Andres-Gesellschaft mit freundlichen Grüßen

Ihr Wolfgang Keil

Anhang: Bréck_und_Knabe

 

Rundbrief Nr. 57 – Ostern 2012

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Leserinnen und Leser!

Mit der Mandelblüte feiert Stefan Andres in Lyrik und Prosa die Ankunft des Frühlings und die österliche Zeit. 
Der leuchtende Baum ist ihm Verheißung und Zeichen des wiedererwachenden Lebens.

Mit Mandelblütenwünschen zum Osterfest grüßt Sie im Namen der Stefan-Andres-Gesellschaft

Ihr Wolfgang Keil

Anhang: Andres-Texte

Wann der Himmel es will,

Flicht der Mandelbaum

Dir seine Blütenblitze

Über das Haupt:

Einen Baldachin regloser Dauer.

Hummeln summen und Bienen

Über dir, und Honig ist dein Gedanke.

 

(Stefan Andres: Lobgesang, 2. Strophe)

 

Der Frühling in Città morta ist golden und blau. Die Sonne ist nicht gewalttätig wie im Sommer, aber dennoch nah. Sie ist nicht nur am Himmel, sie liegt an jeder Hauswand, die sonst weiß ist und gleißend; sie kommt aus den Steinen, aus dem Wogen des Strandes, aus den Blüten des Mandelbaumes; sie hängt in den Gärten unter dem dunklen Laub der Zitronenbäume, tausendfältig. Die Sonne ist berührbar geworden, die ausgestreckte Hand empfängt sie, die Zunge koste sie im Saft der ersten Nespeln; und sie ist nicht einmal heiß, eine kühle Sonne, an die man sich lehnen kann, als wäre sie eine Wand oder ein herab-brausender goldener Sturm ohne Stimme.

 

(Stefan Andres: Der Mann von Asteri, S. 259)

Einladung zur Luxemburgfahrt


 

Rundbrief Nr. 56 – März 2012

Einladung zu einer Tagesfahrt nach Luxemburg

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Leserinnen und Leser!

Am 17. Mai (Christi Himmelfahrt) unternimmt die Stefan-Andres-Gesellschaft einen Ausflug ins “Ländchen”, wie Dorothee Andres unser Nachbarland in ihren Erinnerungen liebevoll nennt.

Ziel ist ein Besuch des Titelberges und des Erzabbaugebietes im Südwesten Luxemburgs.

Im Fond-de-Gras kann man nachvollziehen, wie dort einst Bergbau betrieben wurde. Einige Stollen sowie die Grubenbahn “Minièresbunn” und das legendäre Restaurant der Bergleute “Bei der Giedel” (Got/Patin) sind erhalten geblieben.

Auf dem benachbarten Titelberg hat man die späteisenzeitlichen Spuren eines keltischen Oppidums freigelegt.

Der Grenzort Lasauvage, der durch die Grubenbahn mit Fond-de-Gras verbunden ist, bietet derweil andere Atrtaktionen: darunter das Kuriosum, dass der Friedhof jenseits der französischen Grenze liegt.

Der Train 1900 schließlich lädt zu einer nostalgischen Fahrt nach Petingen ein.

Im Anhang finden Sie das vorläufige Tagesprogramm.

Bitte teilen Sie uns bis zum Ende des Monats mit, ob Sie an dem Ausflug teilnehmen wollen.
Für die Fahrten per Bus, Grubenbahn und Train 1900 erheben wir einen Beitrag von 20 €.

In der Hoffnung, dass das Programm Ihr Interesse findet, verbleibe ich für die StAG
mit freundlichen Grüßen

Ihr Wolfgang Keil

Anhang: Tagesprogramm

Das Tagesprogramm versucht diese siedlungs-, industrie- und politgeschichtlichen Schwerpunkte miteinander zu verbinden:

8.30  -  9.40               Busfahrt nach Fond-de-Gras

9.40  – 10.45              Spaziergang  ü. d. Titelberg:  Keltische u. gallo-romanische Funde

11.00 – 12.30             Fond-de-Gras:  Museum u. technische Anlagen

12.45 – 14.00             Mittagstisch im ehem. Restaurant der Bergleute „Bei der Giedel“

14.15 – 14.30             Fahrt nach Lasauvage

14.30 – 15.30             Lasauvage:  Grenzort mit „Refugium“, „Schloss“ und Friedhof in Frankreich u. historischem und/oder

geologischem Museum

16.00 – 16.30            Zurück nach Fond-de-Gras mit der Grubenbahn

16.40 oder 17.30      Mit dem Train 1900 nach Pétange  (Schauplatz von Emil Angels Erzählung

„Mengem Papp seng Bréck“)

17.00 oder 17.50      Heimfahrt (Ankunft: 18.15 oder 19.00)

 

Stefan Andres pflegte intensive persönliche Kontakte zum Nachbarland.

Hier sei nur die anekdotische Begegnung wiedergegeben, die Stefan und Dorothee Andres 1954 in Luxemburg hatten, nachdem dort „Gottes Utopia“ im ersten Gastspiel eines deutschen Theaters nach dem Krieg aufgeführt worden war. Dorothee Andres erinnert sich:

„Gegen Morgen fragte mich  ein Journalist, der keinen Tropfen trank, woran der Autor zurzeit arbeite. Anstatt ihm vom geplanten Roman Reise nach Portiuncula zu berichten, zitierte ich den launigen Ausspruch einer Bekannten: ‚Ja, nach dem Knaben im Brunnen kommt nun wohl der Mann am Fass …’ Das stand dann am nächsten Tag in seiner Zeitung: ‚wie wir von der Frau des Autors erfuhren …’“

(Dorothee Andres: ‚Carpe Diem!’ Mein Leben mit Stefan Andres. Bonn 2009, S. 201)

 

Rundbrief Nr. 55 – Februar 2012
Sehr geehrte Damen und Herren, lieber Leserinnen und Leser!

Rechtzeitig vor dem hundertjährigen Jubiläum der  Dhrontalsperre im Jahr 2012, deren Baugeschichte den Stoff zu  Stefan Andres’ naturalistischem Roman „Die unsichtbare Mauer“ (1934) lieferte,  gelangt die
Stefan-Andres-Gesellschaft in den Besitz eines Gemäldes des  Bildhauers Willi Hahn (1920-1992), das dieser im Jahre 1948 von  einer besonderen Persönlichkeit des Dhrontals anfertigte.

Es geht um den Müller Peter Andres (1877-1962),  einen Verwandten von Stefan Andres, der seine Prominenz einer doppelten  Auffälligkeit verdankt: seiner Behinderung und seiner  Begabung. Wegen  seines Gebrechens verspottet, aber mehr noch respektiert wegen seiner Klugheit,  wurde er zum Modell des „Fichtelkläschen“, einer  beeindruckenden Figur in Stefan Andres’ Roman „Die unsichtbare Mauer“ (1934).

Erst jetzt wissen wir, dass Peter Andres nicht nur ein literarisches Denkmal gesetzt wurde durch den Schriftsteller Andres, sondern auch ein künstlerisches durch den Bildhauer und Maler Willi Hahn. Dieser weilte nach dem Krieg bei Verwandten in Papiermühle im Dhrontal bzw. in Neumagen. Dort entstand 1948 laut rückwandiger Signatur das Porträt mit einem Hinweis auf den Prozess  des Peter Andres gegen die Stadt Trier, die Erbauerin der Talsperre. Der Eintrag  bezieht sich auch auf den Roman von Stefan Andres „Die unsichtbare Mauer“. –  Willi Hahn mag also auch um die Romanfigur „Fichtelkläschen“ gewusst haben und  gar vom „Fichtelkläschen“ zum Porträtieren angeregt worden sein.

Diese Oszillation zwischen Wirklichkeit, Literatur und Kunst veranlasste die StAG, das von Willi Hahn geschaffene Gemälde zu erwerben. Darin blickt uns  aus dunklen Umbratönen ein Antlitz entgegen, das die Würde eines Apostels mit  den Zügen von Kleists Dorfrichter Adam vereinigt. Und in der Tat ist Peter  Andres/Fichtelkläschen ja klumpfüßig wie Letzterer, aber anders als dieser ist  der Dhrontalmüller von entschiedener Rechtschaffenheit.

Wir freuen uns, den Besuchern des StA-Museums in Schweich neben dem Roman von Andres „Die unsichtbare Mauer“ nun bald ein Ölgemälde von Willi Hahn präsentieren zu können, den wir bisher vornehmlich als den Schöpfer von Plastiken für den öffentlichen Raum kannten, wie z. B. dem „Heuschreckbrunnen“ in Trier, dem „Doktorbrunnen“ in Konz oder dem „St. Christopherus“ in Schweich.

Eine Begegnung mit „Fichtelkläschen“ im Roman oder in den Ausschnitten des Anhangs wird zeigen, wie holländisch nah Willi Hahns Porträt der fiktionalen Figur kommt.

Für die Stefan-Andres-Gesellschaft mit freundlichen Grüßen

Ihr Wolfgang Keil

Anhang: „Fichtelkläschen“

Die Romanfigur „Fichtelkläschen“:

Die ganz wenigen Müller, wie der Fichtelkläschen zum Beispiel, die einmal in ihrer Lehrzeit gewandert waren, ließen sich das nicht merken, weil die andern nur die Köpfe geschüttelt und sie gehänselt  hätten. Und so vergaßen sie und was sie gesehen hatten, ging unter – wie ihre Freierzeit im Laufe der Jahre.

Der Fichtelkläschen war wohl der einzige unter ihnen, dem in der Abgeschlossenheit nichts von dem eingeschlafen war, was er draußen gesehen und gehört hatte. Als junger Müllerbursch hatte er mit seinen nach innen gekehrten, säbelnden Klumpfüßen sich ein Stück dieser Welt ertreten. Als sein Bruder starb, kam er heim und nahm sich der verwaisten Tochter seines Bruders an, der Maari, wie ein Vater an und zog sie auf.

Fichtelkläschen saß an seinem Platz hinter dem Tisch. Hier hielt er sich fast den ganzen Tag auf; es mochte den Anschein erwecken, als wollte er mit der Tischplatte seine missgestaltete untere Hälfte verdecken. Er hatte nie etwas vor sich liegen, mit dem er sich beschäftigte. Die Zeitung lag gefaltet am Ende des Tisches, darauf lagen, wie Wendelin im Lauf des Gespräches feststellte, zwei Bücher: das eine war der Code Napoléon, das andre das Bürgerliche Gesetzbuch.  (S. 52f.)

„Sicher!“ nickte Fichtelkläschen, „ich merke es schon, die Talsperre wird gebaut, sie muss ja gebaut werden“ – Wendelin horchte auf – „und wenn sie nur deshalb gebaut würde, um einmal die Geschichte vom Gemeinnutz, wie ihr es meint, zu zeigen!“ Er lachte. „Wieviel legt ihr an für das ganze Werk?“ Diese Frage griff unvermittelt unter die blauen Deckel der Akten. „Kapital ist genügend da, die Stadt wird Papiere ausschreiben!“ – „Wieviel?“ verharrte Fichtelkläschen. „Genügend“, sprach Wendelin sanft. „Das will ich meinen“, Fichtelkläschen funkelte jetzt mit den Augen. „Ich wills Ihnen vorrechnen, Herr Baurat. Es sind: eins, zwei, fünf Familien, sechs Mühlen, meine Nachtmühle zählt mit, lassen Sie mich ausreden! Sie müssen also sechs Erwerbsquellen für ewige Zeiten aus der Welt herauskaufen. Rechnen wir für den Fall, der natürlich einzeln behandelt wird, fünfzehntausend Taler, das wäre mit sechs mal zu nehmen, also neunzigtausend Taler. Kommen sie mit, Herr Baurat?“ Wendelin fuhr spaßhaft fort: „ Und die Unkosten des Baus?“ – „Das ist nicht unsre Sache!“ Fichtelkläschen hob abwehrend die zarte Hand. „Ist diese Rechnung Ihr Ernst, Herr Edinger?“ – „Wer rechnet, meint es immer ernst!“ „Die Stadt rechnet mit der Hälfte Ihrer Ansprüche!“ fing Wendelin an. „Das versteh ich sehr gut, die Stadt hat ein Recht dazu, aus wenig viel zu machen. Aber das kann uns nicht kümmern. Wir sind ja auch nicht an dem jährlichen Gewinn beteiligt, den unser gesperrter Mühlbach in andre Taschen trägt.“ (S. 55)

Das Urteil des Gerichtes war nämlich nur scheinbar günstig. Die Stadt wurde zum Zahlen verpflichtet; gegen die Summe aber, die von den Sachverständigen angegeben wurde, legte die Stadt Revision ein. Und so schrieb Fichtelkläschen: „Ja, ich weiß, die Stadt meint mich mit endlosen Terminen kirrezukriegen. Aber, Herr Anwalt, Sie kennen nicht die Geduld eines Müllers! Die Gerechtigkeit windet sich langsam wie die Mehlschraube. Die dreht sich auch nur um sich selber, rückt nicht von der Stelle, aber sie schafft doch das Mehl von der Stelle, bis es in den Zylinder fällt. Die Stadt fällt doch mit all ihrer Klugheit in den Zylinder; da wird die Kleie herausgesiebt und den Schweinen gegeben! Sie sind jetzt schon Abfall und Kleie für mich, Herr Anwalt! Schade, es gab eine Zeit, wo jeder, der in seiner Sache Bescheid wusste, sich selber vertreten durfte. Es geht mir nicht um die paar versilberten Knöpfe, es geht mir darum, euch Städtern zu zeigen, dass Paragraphen nicht das Eigentum eines Standes sind. Ich kann lesen, und ich find mich sogar in eurem Kauderwelsch zurecht!“  (S. 180)

Fichtelkläschen war so in seinem Prozess drin, dass er seine Leidenschaft, ja Inhalt seines Lebens geworden war. Übrigens stand seine Sache so gut, dass er keines Rates mehr bedurfte. (S. 203)

 

Rundbrief Nr. 54 – Weihnachten 2011

- Weihnachtsgruß von Stefan Andres –

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Leserinnen und Leser!

Weihnachten gestaltet sich im Werk von Stefan Andres nie zur gefühligen Idylle. Und nachdenklich stimmt auch der folgende Auszug aus dem Roman  „Die Sintflut“, der 2007 von John Klapper (Birmingham University) zum ersten Mal  in der noch vom Autor gekürzten Form herausgegeben wurde.

Der Erzähler des Romans führt uns in ein Flüchtlingsheim in der „Arche“  Schweiz am Rande des Krieges. Lorenz Gutmann, eine Romanfigur, die Ähnlichkeit mit dem Autor Stefan Andres hat, ist aufgefordert, bei einer Weihnachtsfeier im Heim eine stimmungsvolle Rede zu halten.
Seine Worte wenden sich gegen die Erzeugung eines „unbestimmten Weihnachtsgefühls“ und beschwören stattdessen den „Mythos der Nacht von  Bethlehem“ mit seiner unvergleichlichen und unmissverständlichen Botschaft. Damit entspricht Lorenz ganz der Kennzeichnung des Herausgebers und  Interpreten J. Klapper:

„Lorenz is a passionate idealist who feels the need to seek truth through involvement in the world.”

Mögen wir alle im Sinne von StefanAndres/Lorenz Gutmann ein segensreiches Weihnachtsfest und ein gutes Neues Jahr erleben.

Für die Stefan-Andres-Gesellschaft mit freundlichen Grüßen

Ihr Wolfgang Keil

Anhang

Sintflut – Weihnachtsansprache 2011

 

Rundbrief Nr. 53 – 18. November 2011

 

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Leserinnen und Leser!

Im November 1942 veröffentlichte die Frankfurter  Zeitung den dritten Teil der Andres-Satire „Briefe eines jungen Klarinettisten“.

Im Anhang finden Sie den Gesamttext,  der einen etwas ungewohnten Andres zeigt.

Die StAG veranstaltet einen geselligen Abend unter dem Motto „Literatur und Weinkultur“.
Die Lesung  von alten und neuen Texten von Stefan Andres  mit Weinprobe und musikalischer
Begleitung findet statt am Freitag, dem 25. November 2011, um 19.00 Uhr,  im Niederprümer Hof in Schweich.

Mitglieder  und Freunde sind herzlich eingeladen.

Für die Stefan-Andres-Gesellschaft mit herzlichen  Grüßen

Ihr Wolfgang Keil

Anhang

Klarinettist Ensemble

 

Rundbrief Nr. 52 – 9. November 2011

 

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Leserinnen und Leser!

Der Andres-Abend im Bitburger Haus Beda im  Oktober fand eine erfreuliche  Resonanz.
Für die vielfältige Unterstützung danken wir der Kulturgemeinschaft Bitburg  und der Dr.-Hanns-Simon-Stiftung.
Zu einem geselligen Abend unter dem Motto „Literatur und  Weinkultur“ laden wir Mitglieder und Freunde herzlich ein.
Die Lesung mit Weinprobe und musikalischer Begleitung findet statt am Freitag, dem 25. November, um 19.00 Uhr, im Niederprümer Hof in Schweich.

In den Anhängen finden Sie:
Eine Programmskizze sowie ein Denkbild von  Andres, das man zur Entscheidungshilfe heranziehen kann.
Bitte helfen Sie uns bei der Vorbereitung, indem Sie sich bis zum 18.11.2011 anmelden.

Kontakt: Andre Kastner: andrekastner1948@aol.com –  Tel.  06502-937648
Anita  Kruppert: anita.kruppert@t-online.de –  Tel.  06502-95183
Wolfgang  Keil:  wokeil@aol.com –  Tel. 0651-67177

Wir freuen uns auf Ihr Kommen!

Für die Stefan-Andres-Gesellschaft mit freundlichen Grüßen

Ihr Wolfgang Keil

Anhang

Programm Weinland

Das wussten die alten Perser

Ihre Ratsherren berieten sich, wie Herodot berichtet, über die wichtigsten Fragen im Rausch und prüften dann nüchtern noch einmal die getroffenen Entscheidungen. Nicht im Wein ge-fasste Beschlüsse dagegen wurden noch einmal im Purpurlicht der Trunkenheit betrachtet. Das ganze deutsche Mittelalter hat mehr oder minder an dieser Weisheit der Perser festge-halten. Die Ratsherren hatten ihr Krüglein vor sich stehen, das nimmer leer wurde, und es
ist in den Chroniken von manchem harten Strauss die Rede, den die Ratsherren um das ihnen zustehende Maß der Weisheit geführt haben. Die sich vor allem durch Langweile, misstrauen und abstrakte Sachlichkeit auszeichnenden Konferenzen unserer Tage – ach, wie verliefen sie wohl, wenn jeder Teilnehmer verpflichtet wäre, in jeder Stunde eine Flasche Wein zu leeren!

(Stefan Andres: Weinpilgerbuch, S. 16)

 

 

Rundbrief Nr. 51 –  Im Oktober 2011

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Leserinnen und Leser!

Wir freuen uns über eine Einladung der Kulturgemeinschaft  Bitburg. Zusammen mit der dortigen  Dr.-Hanns-Simon-Stiftung gewährt sie uns die Möglichkeit, im  Haus Beda in Bitburg am 28. 10. 2011 (20.00 Uhr) einen Stefan-Andres-Abend zu veranstalten.

Dabei soll sowohl das bewegte Leben als auch das vielgestaltige und themenreiche Werk des Schriftstellers, Essayisten und Redners Andres in Ausschnitten präsentiert werden.
Zwei Zitate des politischen Andres seien hier vorausgeschickt:
… die Franzosen und die Deutschen, die sind wie ein Ehepaar,  das eigentlich sehr glücklich miteinander sein könnte.
(aus:  Die Hochzeit der Feinde, Roman begonnen 1939, veröffentlicht 1947)

Der Frieden zwischen Russland und uns besteht in einer  Wiedervereinigung Deutschlands, weil damit die Hauptspannung zwischen  Deutschland und Russland behoben wäre. Für diesen Frieden müssen wir bereit  sein, einen hohen Preis zu zahlen.
(aus: Rede zum 17. Juni 1958  in Bochum)

Für die StAG mit freundlichen Grüßen

Ihr Wolfgang Keil

Anhang: Stefan-Andres-Abend im Haus Beda in Bitburg

I     Frühe Jahre,Werdegang

1953  Der Knabe im Brunnen

1934  Die unsichtbare Mauer

1937  Moselländische Novellen

II       Abwehr von Ideologien

1936  El Greco malt den Großinquisitor

1942  Wir sind Utopia

1970  Die Versuchung des Synesios

III      Leben im Exil

1966  Der Taubenturm

1945  Die Häuser auf der Wolke

1957  Die heilsame Sünde …

IV      Politische Einmischung

1947  Rede zum 17. Juni 1958

1946  Die Hochzeit der Feinde

V       Dionysische Lebensweisheit

1942  Die Weinprobe

1950  Auf den Fersen der röm. Kohorten …

 

Rundbrief  Nr. 50 –  Ende August 2011

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe  Leserinnen und Leser!

Im Anhang befindet sich der zweite Teil der  Satire  „Briefe eines  jungen  Klarinettisten“ von Stefan Andres.
Dieser Brief wurde im August 1942 in der  Frankfurter Zeitung veröffentlicht, obwohl er z. B. mit seiner ironischen  Wendung „ – und der Fliegeralarm hat nichts genützt“ einen Realitätsbezug  verkündete, der Zeit der Bombardierung Anstoß erregen musste.
Zur Kenntnis der realen Geschehnisse, die Andres  in seiner Satire verarbeitet, verhilft die Lektüre der Lebenserinnerungen von  Dorothee Andres „’Carpe Diem!’ Mein Leben mit Stefan Andres“. Dort findet die Tatsache Erwähnung, dass Stefan  Andres 1941 einen italienischen Komiker in der deutschen Sprache unterwies, weil  es dessen „Traum war, einmal im Wintergarten in Berlin aufzutreten“ (S. 77).  Deshalb geht Andres mit ihm auf Tournée. In „Carpe Diem“ lesen wir auch, dass Berlin seit  1941 bombardiert wird
(S. 70). Und schließlich erfahren wir, wie der  Sprachlehrer Andres seine wichtige
Erwerbsquelle selbst zerstört. Seine Frau  notiert damals:
„Doch bald schon hörte dieses feste Beschäftigung für Andres  auf. Er hatte immer wieder seinem ‚Schüler’ klargemacht, dass es in Kürze keinen Wintergarten mehr geben werde, auf jeden Fall wohl kaum Interessenten für  Komiker in dieser düsteren Zeit in Deutschland.“ (S. 77)
Andres  weiß also aus eigener Erfahrung, wie es „hinter den Kulissen“ – so der Titel des  zweiten Teils – aussieht.
Ich hoffe, auch der zweite Streich des  satirischen Andres findet Gefallen!

Für die StAG mit freundlichen  Grüßen

Ihr Wolfgang Keil

Anhang: klarinettist zweiter brief xxx

 

Rundbrief Nr. 49 – Ergänzung

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Leserinnen und Leser!

In der Verlängerung des Stefan-Andres-Wanderwegs werden wir am Samstag, dem
20. August, die literarischen Schauplätze des Dhrontals
(Andres-Geburtshaus,  Mühlen und Bildchen) aufsuchen.

Der Weg wird uns auch zum sog. Ginsterhaus  führen. Dorthin zog sich Stefan
Andres in den fünfziger
Jahren aus Unkel am Rhein zum Schreiben (z. B.  „Der Mörderbock“)  zurück.

Mit Erläuterungen und kleinen Lesungen zu den Schauplätzen der Andres-Werke
„Die unsichtbare Mauer“, „Die Vermummten“ und „Der Knabe im Brunnen“ werden wir  etwa drei Stunden unterwegs sein.

Wir treffen uns am Samstag um 10.00 Uhr auf dem Parkplatz Zummeter Höhe,
wohin wir auch Fahrgelegenheit anbieten. Um die Mittagszeit werden wir im
dortigen Restaurant einkehren.

Für die Stefan-Andres-Gesellschaft

mit freundlichen Grüßen

Ihr Wolfgang Keil

 

Rundbrief  Nr. 49 – Anfang August 2011
Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Leserinnen und Leser!

Am 20. August ist Stefan-Andres-Wandertag.

Die Stefan-Andres-Gesellschaft lädt ein zu einer Erwanderung der literarisch bedeutsamen Mühlen und „Bildchen“ im Tal der kleinen Dhron.

Treffpunkt am 20. August (Sa), um 10.00 Uhr, ist der öffentliche Parkplatz beim Zummet Hof. Fahrgelegenheit dorthin vermitteln Wanderwart der StAG
Michael  Frede (_McO.Travel@t-online.de_ (mailto:McO.Travel@t-online.de)  oder Tel. 0651-9941000) und Wolfgang Keil (_wokeil@aol.com_
(mailto:wokeil@aol.com)  oder Tel. 0651-67177).

Unsere Wege und Stationen haben in den Andres-Werken „Die unsichtbare Mauer“  (1934), „Die Vermummten“ (1937) und „Der Knabe im Brunnen“ (1953)
prominenten  Schauplatzcharakter: Zummeter Höhe, Leiwener Bildchen, Leiwener und Heidenburger Mühle nahe der Talsperre, die sechs Mühlen im Dhrönchen und schließlich die Andres-Mühle auf  der Breitwies, dem Geburthaus von Stefan Andres.

Da „Die unsichtbare Mauer“  die Ereignisse um den „Mauerbau“ vor 100  Jahren aus energiestrategischer und  zugleich sozialpsychologischer Perspektive
aktuell erscheinen lässt, folgen im  Anhang  Zitate dieses durch seinen Realismus beeindruckenden  Romans. Vorausgeschickt sei aber schon hier der politisch erhellende Satz des Roman-Klappentextes der Ausgabe der Büchergilde Gutenberg von 1935: „Sein Buch ist das stolze Bekenntnis eines Dichters zu seiner Heimat. ‚Die unsichtbare
Mauer’ unterscheidet sich von den vielen Blut- und Boden-Büchern durch ihre Wahrhaftigkeit, durch ihre überzeugende Gestaltung“.

Bitte lasssen Sie uns wissen, ob wir Sie auf dem Sommet des Zummet willkommenheißen dürfen!

Für die Stefan-Andres-Gesellschaft mit freundlichen Grüßen

Ihr  Wolfgang Keil

Anhang:

Auszüge
aus: Die unsichtbare Mauer (1934)

 

1   (Das Land)

Die westliche
Dhron, um die es geht, hatte seit urdenklichen Zeiten keinen anderen Beruf, als
Mühlenräder zu drehen, und selbst ein Bach mag sich im Laufe der Jahre in
seinem Berufe vervollkommnen. Er hatte nämlich eine behäbige Talsohle
geschaffen und sich selber auf eine schmale, aber umso fülligere Laufrinne
zurückgezogen. So gab er den Müllern Platz, ihre Mühlgräben auszuwerfen.

 

2   (Die Leute)

So waren es
aber die Leute im Dhrontal gewohnt: das unaufhörliche Mühlengeklapper war in
allen Arbeiten. Wenn auch nicht alle Frauen wie die Eselsmarjam sich abrackerten,
und wenn nicht die Männer wie der Fichtelkläschen sich mit Windelwaschen
abgeben mussten, sie lebten in einem lückenlosen Tag, in einer geräuschlosen,
eifrigen Woche, wo es dann aber einen Sonntag gab, der das himmelblaue Zelt
über ihnen ausspannte und Sonne bis in den feierlichen Kaffeesatz ihrer goldge-ränderten
Tassen ausschüttete.

 

3   (Die
Entwicklung)

„Durch welche
Kraft läuft denn deine Maschine?“ – „Durch die uralte Kraft des Wassers“,
sprach Eucharius feierlich. – „Nun, diese uralte Kraft könnte eine neue, viel
größere Kraft erzeugen.“ Eucharius zog die Stirn in wirre Falten. Er dachte.
Dann lächelte er überlegen: „Ja, der Dynamo, ich wollte mir schon so einen
Teufel ins Haus bringen. Aber – das Geld!“ – „Wir brauchen kein Geld, ihr
kriegt alle viel Geld dazu, zu eurer Elektrizität!“ Eucharius schwieg. Er stand
nur steif da, wie sonst immer, wenn er schließlich doch merkte, dass man ihn
aufzog.

„Eucharius,
wir bauen eine Talsperre!“

 

4   (Die
Verwicklung)

Als es nun
schon Mitternacht geworden war und Eucharius mit schwankender Hand den Wein
statt ins Glas den Mädchen über Hände und Füße goss, kam einer der Jungen der
Eselsmarjam, der Pitter, und sagte, draußen sei einer gewesen, der habe gesagt,
Eucharius sollte sofort zum „Bildchen“ kommen, dort warte die Fichtelmaari auf
ihn, sie habe ihm etwas zu sagen. „Ists wahr?“ stotterte Eucharius, warf die
Flasche hin und wollte schon fort. „Du sollst aber den hintern rechten Schinken
einer Sau, schön geräuchert, mitbringen, lässt dir Maari bestellen.“

 

5   (Das
Vorbild)

Die Burschen
des Tals mochten ihn eigentlich gern, den schwarzäugigen, schmalen,
wieselartigen Herrn, der immer auf einem Motorrad angeknattert kam. Das
Motorrad erregte übrigens ein größeres Aufsehen als die Autos. Es war damals
noch seltener und zugleich in den Träumen der Burschen etwas nicht ganz
Entrücktes. Er zeigte ihnen in den Freistunden die Maschine, erklärte ihnen den
Vorgang, den sie teilweise auch begriffen. Nur „das Platzen des Benzins“, wie
sie sagten, schien ihnen etwas Gefährliches und auch Unbegreifliches

Ein Schimmer
dieser fremden, unbegriffenen Kraft übertrug sich für sie auf Dr. Dupienne; der
war im selben Maße leutselig als auch unfassbar.

 

6   (Die „Differenz“)

O, sie hatten auch Ordnung! Eine klare
Leiter, aber nichts war bei ihnen in die Breite gelagert, wo einzelne wissen
und wählen und sich quälen müssen. „Differenziertheit!“ rief Wendelin, riss das
Fenster auf, lachte: „Differenziertheit!“ Er kam sich selber halbverrückt vor,
denn es kamen jetzt einige Burschen gelaufen, ließen alles fallen und stehen. Aber
sie hörten doch wenigstens auf ein so schönes Wort. „Was wünscht Ihr?“ fragte
einer. „Differenziertheit, sagte ich doch, kennt ihr das nicht und ihr baut
Talsperren!“ – „Ja“, sagte ein alter Tagelöhner, „der Dr. Dupienne hats sicher
ausgehen lassen. Wir können ja was holen gehen!“ – „Wo kriegt ihrs denn“,
grinste Wendelin weiter, er kam sich vor wie ein Mann vor dem Affenkäfig, aber
jeder saß hinter seinem Gitter. „Ich denk in der Apothek, da gibt’s ja all
diese Sachen!“ meinte der Alte eifrig. Wendelin aber sagte: „Lassen wir mal,
vielleicht reichts doch noch!“

 

Rundbrief Nr. 48 – Juni 2011

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Leserinnen und Leser!

Man stelle sich eine Erzählung vor, die eine Entwicklung um den Protagonisten ankündigt mit den Worten:

…, ich hatte Glück, weil mittendrin Fliegeralarm kam,  …

„Stil der Groteske und Satire“,  wird man sagen und nach dem Autor fragen.

Nun, es ist Stefan Andres, dessen Erzählung “Briefe eines jungen Klarinettisten” 1942 als dreiteilige Briefsequenz  in der Frankfurter Zeitung erschien.

Wenn Sie die Ansichten des Klarinette spielenden Clowns interessieren, öffnen Sie bitte den Anhang mit dem Brief vom Juni 1942. (August- und Novemberbrief folgen monatsgemäß.)

In der Mitgliederversammlung am Samstag, 18. Juni (10.00 Uhr) im Niederprümer Hof, wird die gesamte Sequenz an Mitglieder und Gäste überreicht.

Ich hoffe, der Satiriker Andres findet Gefallen!

Für die Stefan-Andres-Gesellschaft mit freundlichen Grüßen

 

Ihr Wolfgang Keil

 

 

Rundbrief Nr. 47 – Mai 2011

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Leserinnen und  Leser!
Der neu herausgegebene Erinnerungsroman „Der Knabe im Brunnen“  (1953/2011) von Stefan Andres, der Momente der Kindheit im Dhrontal bis zum Bau  der
Dhrontalsperre schildert, sowie sein Roman „Die unsichtbare Mauer“ (1934),  der Ereignisse um diesen Bau vor hundert Jahren (1911 – 1913) literarisch
verarbeitet, sind für die Stefan-Andres-Gesellschaft Anlass, im Sommer dieses Jahres die Schauplätze beider Werke aufzu-suchen, um eine Vorstellung von
der  Welt der Menschen, die hinter dem Zummet lebten, zu gewinnen:

So waren es aber die Leute im Dhrontal gewohnt: das  unaufhörliche Mühlengeklapper war in allen Arbeiten. Wenn auch nicht alle Frauen  wie die
Eselsmarjam sich abrackerten, und wenn auch nicht alle Männer wie der Fichtelkläschen sich mit Windelwaschen abgeben mussten, sie lebten in einem  lückenlosen
Tag, in einer geräuschlosen, eifrigen Woche, wo es dann aber einen  Sonntag gab, der das himmelblaue Zelt über ihnen ausspannte und die Sonne bis in
den feiertäglichen Kaffeesatz ihrer goldgeränderten Tassen ausschüttete.
(aus: Die unsichtbare Mauer)

Da trifft es sich gut, dass eine Veranstaltung eben  dieser literarischen Landschaft gewidmet ist. Elmar  Ittenbach wird am 20. Mai (19.00 Uhr) die
Hunsrücker Seite im Leben und Werk von  Stefan Andres vorstellen. Einladung im Anhang.

Mögen viele Literaturinteressierte den Weg zum Hunsrückhaus am  Erbeskopf
finden.

Für die Stefan-Andres-Gesellschaft mit freundlichen  Grüßen

Ihr Wolfgang Keil

 

Ostern 2011 – Rundbrief Nr. 46
Sehr  geehrte Damen und Herren, liebe Leserinnen und Leser!

Tiefer Schmerz, aber auch trostreiche Hoffnung sprechen aus den Sonetten,
die Stefan  Andres in dem  Zyklus „Requiem für ein Kind“ an die im  Alter
von neun Jahren verstorbene Tochter Mechthild richtet.
Das Sonett XXI ist sein poetischer Versuch, den Tod zu überwinden und
Auferstehung zu feiern.

Am Ostermorgen wars, ich sah gen  Osten
Und wartete wie alles: Meer und  Baum,
Die Wellen sprachen halb noch wie im  Traum,
Des Lichtes junge Triebe leise sprossten.

Da stieg vom Hügel, der dem Blick sonst wehrte
Ins Licht so manches Mal, der Lerche  Sang,
Wie Ankerlichten klangs, so süß und bang,
Doch ich war traurig, da das Licht sich mehrte.

Der Frauen dacht’ ich, die zum Grabe  liefen,
Und ging zum Hügel hin, doch nicht  geschwind.
Da wars: die Lerchen hoch wie Engel riefen!

Ich blickt empor und sahs: als eine  Blüte
Die  Sonne stand, dein Grab inmitten,  Kind!
Ein Ostermorgen wars – voll Licht und Güte!

Im Namen Stefan-Andres-Gesellschaft grüßt Sie mit den besten Wünschen zum
Osterfest

Ihr  Wolfgang Keil

Rundbrief  Nr. 45 – Im April 2011
Sehr geehrte Damen und Herren!

Wie literarische Schöpfungen sich als lebendiger Ausdruck des
individuellen und kollektiven Gedächtnisses manifestieren, zeigen die folgenden
Veröffentlichungen.
Sie bewahren die Erinnerung an bewegte Zeiten des 20.  Jahrhunderts:

1906 – 1917
Stefan Andres: Der Knabe im Brunnen. Roman
Neu veröffentlicht als 5.  Band der Edition der Werke in Einzelausgaben und
vorgestellt durch die Herausgeber im Februar 2011.

1933 – 1945
Poetischer Einfall – politische Zensur
Kurzprosa von Stefan Andres aus  den Jahren 1933 bis 1945.
Veröffentlicht als Heft Nr. 3 der Schriftenreihe  der
Stefan-Andres-Gesellschaft im März 2011.

1946 – 1950
Emil Angel: … ihr Bilder, die lang ich vergessen geglaubt!
Eine Kindheit im Luxemburg der Nachkriegszeit.  Erzählungen
Veröffentlicht im S.MO-Verlag im April 2011.

Der luxemburgische Autor und selbstbekundete ‘Überzeugungsträumer’, dem wir
die zweisprachige Sammlung „Vom Hundertsten ins Tausendste“ aus der Reihe
„Hüben  und Drüben“ verdanken, trägt Erzählungen vor, die Ende der
vierziger Jahre in  einer Kleinstadt im Süden Luxemburgs spielen.

Die Lesung findet statt
am  Donnerstag, dem 7. April 2011,
um 19.00  Uhr,
im Niederprümer Hof  in Schweich.

Wir würden uns freuen, viele Gäste von „hüben und drüben“ zur Lesung und
einem Glas Wein willkommen heißen zu dürfen!

Für die Stefan-Andres-Gesellschaft mit freundlichen Grüßen

Ihr Wolfgang Keil

Rundbrief Nr. 44 – Im März 2011

Sehr geehrte Leserinnen und Leser!

Emil Angel, der bekannte luxemburgische  Schriftsteller, liest aus seinem neuen  Erzählband

„… ihr Bilder, die lang  ich vergessen geglaubt!  Eine Kindheit im Luxemburg der Nachkriegszeit“

am 7. April, um 19.00 Uhr, im Niederprümer Hof in  Schweich.

„Überzeugungsträumer“ – so nennt Emil Angel das  Medium seiner Kindheit, durch das er die Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg im  Nachbarland
heraufbeschwört.
Dabei entsteht eine reizvolle Nähe zu dem  „Überzeugungsträumer“ Steff, dem es in Andres’ Roman „Der Knabe im Brunnen“  gelingt, „Träume auf die
Weide zu  führen“.

Es zeigen sich sogar verwandte Züge in  den Details der zwei Erinnerungswelten.

Da kreist z. B. die Vorbereitung zur  Erstkommunion in beiden um die Kleiderfrage:
„Das Essen würde sehr teuer  werden – und dann die Kleider! Zum Glück passte mir Pierchens schwarzer  Kommunionanzug, aber damit hatten die anderen
noch nichts zum Anziehen. Mutter  brauchte unbedingt Mantel und Hut; …“ (Angel)
„In der Woche vor Ostern begann  Katharina damit, Vaters schwarzen Mantel auseinanderzutrennen, um mir daraus einen Kommunionanzug zu  machen. Die Frauen lobten
den Stoff, der gar nicht aufgetragen wär …“ (Andres)
Die  Kapitelüberschriften „Der große Tag“ bzw. „Die Frittengeschichte“ verraten  jedoch unterschiedliche Gestaltungsabsichten.

Unterschiedliches im Ähnlichen entdeckt man auch  im Umgang der Figuren mit der Elektrizität:
Während bei Andres der kleine  Steff von seinem Bruder mit einem elektrischen Schlag gefoppt  wird, sind  die Verhältnisse bei Emil Angels Erzählfigur
Robi zur Zeit des von Deutschen  besetzten Luxemburg brisanter, aber deshalb nicht weniger amüsant:
Die Geschichte „Kurzschluss“ schildert nämlich,  wie der Sturz einer Leiter auf die elektrische Leitung einem Gauleiter „das Maul  stopft“.

Viel Neues gibt es dreißg Jahre und  eineinhalb Kriege nach Steffs Zeit in Emil Angels Welt zu entdecken. Dennoch veranschaulichen die fünfzehn aus dem
Luxemburgischen ins Deutsche übertragenen Erzählungen, wie sehr sich die Bilder  manchmal gleichen.

Die Autor-Lesung wird auch dies zeigen.

Wir freuen uns auf Ihr Erscheinen!

Für die Stefan-Andres-Gesellschaft mit  freundlichen Grüßen

Ihr Wolfgang Keil

Rundbief Nr. 43 – Im  Februar 2011

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

wir laden ein zur Vorstellung des großen  Erinnerungsromans  von  Stefan Andres ”Der Knabe im Brunnen” (Neuausgabe  2011).
Die Lesung findet statt am  16. Februar, um 19.00 Uhr, im Niederprümer Hof in Schweich.

Das Besondere der Präsentation besteht u. a.  darin, dass die Herausgeber, Chr. Basten und H. Erschens, die auch das Nachwort  zur neuen Ausgabe verfasst haben, die Lesung selbst kommentieren  werden. Dabei können Fragen der Entstehung des Romans,  des Publikumserfolgs, der Figuren- und Schauplatzgestaltung ebenso eine Rolle  spielen wie die Deutung der mythischen  Tiefendimension dieses “Kindheitsromans” sowie z.  B. der Umstand, dass der “Knabe” im Titel keine direkte Entsprechung im Roman  hat.
Unterstützt wird der Vortrag durch filmische Beiträge, in  denen Stefan Andres liest und Mitglieder der Andres-Familie Episoden des Romans nachspielen.

Wir hoffen, dass die Lesung Ihr Interesse findet!

Für die StAG mit freundlichen  Grüßen

Ihr Wolfgang Keil

Anhang: Die “pädagogische” Bearbeitung der  Schulszene.

PS.: Unserer Homepage lässt sich mit der Eingabe “Stefan Andres”  googeln.

Anhang: Hospitationsbericht von literarisch gestaltetem Unterricht

Das Kapitel „Schulanfang …“ des Romans „Der Knabe im Brunnen“ von Stefan Andres führt uns in die erste Klasse der Schweicher Volksschule des Jahres 1912.

Dort hat Lehrer Burx mit dem kleinen Steff einen Schriftsteller und Maler in statu nascendi vor sich, ohne sich dieser Tatsache bewusst zu sein. Burx regiert in seiner Schulstube als Herr des Stockes. „Denkt an das dünne, harte Ding, das im Schrank steht.“, droht er am Tag unserer Visite, während er die Erstklässler zu einem Übungsmarathon des Raufrunterraufpünkelchendrauf verpflichtet. Die Arbeitsanweisung ist klar, es soll das „i“ geübt werden, und zwar gründlich: „Macht die Tafeln voll!“

Da keine weitere Unterweisung stattfindet, konzentrieren wir uns auf einen Schüler, der seine Tafel während der extensiven Stillarbeit auffällig intensiv bearbeitet. Nach wenigen Raufrunterraufpünkelchendrauf-Versuchen erscheint auf seiner Tafel plötzlich eine Baumsäge, die sich dann Strich um Strich weiter verwandelt, bis eine Ohrfeige dem gestalterischen Wirken des Schülers Steff ein wahrhaft schlagartiges Ende bereitet. – Aber hören wir ihn dazu selbst:

Ich machte ein i und noch eins und noch eins. Als ich merkte, daß ich es konnte, verlor ich die Lust daran und malte eine Baumsäge und dann einen Hahnenkamm. Zum Kamm machte ich den Kopf und dann den Leib des Hahns, es war unser Huhnepitter, ich konnte ihn gut erkennen. Ich machte ihm auch noch Körner in die Luft vor den Schnabel, lauter Pünkelchen, und schließlich malte ich Mutter, da sie ja meistens die Körner streute, und dann noch ein paar Hühner. Plötzlich flog mein Kopf gegen die Schiefertafel, ich hörte die Hühner mit schrecklichem Gegacker auseinanderstieben, und als ich erschrocken aufblickte …

In unserem Bericht nehmen wir nun nicht die gackernden Hühner, wohl aber mit Lehrer Burx ein blindes Huhn aufs Korn:

Denn dieser Lehrer sieht wirklich nicht,

-    dass der kleine Steff einen Buchstaben durch Arkadisierung zum baumsägeförmigen Hahnenkamm ausbildet;

-    dass der Junge den Kamm in ein Lebewesen verwandelt, welches nach wenigen Strichen zu einem  guten Bekannten wird, nämlich dem eifrig i-Pünkelchen pickenden Huhnepitter.

Und Herr Burx versteht nicht,

-   dass der kleine Steff die arbiträre Digitalität des Zeichens vorübergehend suspendiert und so aus der Abstraktion in das Analogon seiner vorgestellten Wirklichkeit hinüberwechselt;

-   dass der Schüler dem Zeichen die Kraft des Lebens einhaucht, dem Lebendigen aber obendrein die warme Vertrautheit von Huhnepitter und Mutter verleiht;

Und der Lehrer fühlt nicht einmal von ferne,

-   dass seine Ohrfeige mit dem jungen Künstler zugleich dessen imaginiertes Hühnervolk trifft und sogar die herbeigemalte gute Mutter.

Dabei ist der kleine Steff als wahrer Pygmalion am Werk, auch wenn er statt der schönen Galateia nur einen aufgeregten „Huhnepitter“ zum Leben erweckt. Der schöpferische Impetus ist im kindlichen Tun schon hühnerhochfliegend. Lehrer Burx aber dürfte weder um den ovidischen Bildhauer wissen noch um den sog. Pygmalion-Effekt.

Und kaum – so sagen wir uns – wird der Herr des Stockes den Dichter Klopstock kennen und dessen Vorstellung vom Genie. Klopstocks Genie-Begriff auf den kleinen Stefan Andres angewandt aber bedeutet: Die Reizbarkeit seiner Empfindung drängt ihn vom kargen Buchstaben zur warmen Kreatürlichkeit; dabei macht er sich die Lebhaftigkeit seiner Einbildungskraft zunutze und sieht im winzigen „i“ die Idylle des Hühnerfütterns; der Schärfe des Urteils des großen Stefan Andres begegnen wir schließlich in der satirischen Gestaltung dieser Hühnerhof-Episode.

 

Rundbrief Nr. 42 – Weihnachten 2010
Weihnachtsgruß von Stefan Andres

Sehr geehrte Leserinnen und Leser!

In seinem Roman “Der Knabe im  Brunnen” schildert Stefan Andres “die Feier des zweiten Christfestes im  Krieg”. Historisch schreiben wir das Jahr 1915 in Schweich.

Die Schilderung des Kirchgangs am  Weihnachtsmorgen zeigt, wie der kleine Steff die Welt mit allen Sinnen  erlebt und wie er seine Eindrücke mit “poetischen”  Reminiszenzen auflädt.

Der autobiographische Roman wird Anfang 2011 als  5. Band der Werkausgabe im Wallstein Verlag erscheinen:

Stefan Andres: Der Knabe im Brunnen. Roman. Hrg.: Christa Basten und Hermann Erschens

Wir  wünschen Ihnen eine erbauliche Lektüre und eine  ”glückselige Weihnacht”.

Für den Vorstand der  Stefan-Andres-Gesellschaft

Ihr Wolfgang Keil

Anhang: Textauszug aus “Der Knabe im  Brunnen”

 

Der Kirchgang des kleinen Steff

Fortsetzung des letztjährigen Auszugs aus dem Kapitel „Weihnachten“ des Romans „Der Knabe im Brunnen“:

„Et läutet zuhauf“, sagte Vater, und wir lauschten. Alle Glocken im Turm waren dabei, sie sangen immer dasselbe, sangen es auf einen Ton und klangen zusammen, tief und hoch, ganz unten, ganz oben. Sie erzählten eine große Freude – eine große – eine Freude – immer dasselbe – und Ehre sei Gott – und Friede – und Freude – eine große Freude! Heiligste Nacht. Die Glocken lallten, sie konnten nicht reden, aber singen, das konnten sie – immer dasselbe – und ehre sei Gott – und Freude – und Freude – eine große Freude! Der Vater hatte das Fenster geöffnet. Ich stand in der kalten Luft, die nach Schnee roch, und sah über der Gartenmauer jenseits der Straße den Himmel funkeln. Die Sterne wiederholten wie die Glocken immer dasselbe: dasselbe Funkeln und dasselbe Lallen und Schallen: eine große Freude – eine große – eine Freude!

Ich hatte mich allein auf den Weg zur Kirche gemacht. Durch die schneehellen Gassen zu gehen, noch bei Nacht und doch schon in den Morgen hinein, und die Glocken im Ohr zu haben, während die Sterne über Rupproth standen und wie Christbaumkugeln glitzerten, – das konnte ich mit niemand teilen, selbst nicht mit Kätta. Ich wusste, sie war über Weihnachten bei ihrer Großmutter in der Wilzgasse, aber ich holte sie nicht ab. Oder konnte ich ihr erzählen, warum ich vor Mandels Ecke stehenblieb? In dem einsamen Winkel, wo ein alter Stall lag, hörte ich eine Kuh, die wohl vom Hahnenschrei geweckt war, muhen, und gleich darauf meckerte die Geiß. Das hätte gewiß auch Kätta gehört. Aber mir kam Vaters Geschichte in den Sinn, jene von der Weihnacht der Tiere. Der Hahn hätt in der Nacht der Erlösung gerufen: „Christus ist hie!“ Und darauf die Kuh: „Wo?“ und die Geiß: „In Bethlehem!“ Konnte ich ihr, die aus der Stadt war, diese Geschichte erzählen?

In der Kirche war es eigentlich kalt, und doch brachten die vielen Menschenleiber ein bißchen Wärme mit, die freilich nach Bett roch. Ja, es roch grimmig durcheinander: nach fremden Stuben, nach Kleiderschränken, Kamillentee, Schmierseife und ranzigem Fett, mit dem viele ihre schweren Schuhe eingerieben hatten. Da freute ich mich richtig auf den Weihrauchduft und den Hauch von den großen Fichten, die vor dem Josephsaltar standen, um die Krippe herum, im Schmuck zahlloser blauer, roter und gelber Glühbirnen, die in Schnüren geordnet auf- und abstiegen und zu allerlei Zählspielen einluden.

Rundbrief Nr. 41 – November 2010

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Andresianerinnen und  Andresianer!

Mit der Lesung des Versöhnungs-Romans „Die Hochzeit der Feinde“ (1939,  veröffentlicht 1947) sowie der Vorstellung der Verfilmung des Romans (1960/61) fanden beim Besuch der Deutschfranzösischen Gesellschaft Trier im Niederprümer  Hof die Veranstaltungen zum  Andres-Gedenkjahr 2010 einen erfreulichen  Abschluss.

Zuvor schon hatten die beiden Andres-Lesungen mit Kammersänger Franz  Grundheber in der Schweicher Synagoge und im Angela-Merici-Gymnasium (u. a. Auszug aus: „Die unsichtbare Mauer“, 1937) und die vierwöchige Ausstellung  „Stefan Andres – Der Deutschrömer“ in der Stadtbibliothek Trier gezeigt, wie  rege das Publikumsinteresse an solchen Andres-Veranstal-tungen ist. Für deren  Gelingen danken wir allen Mitwirkenden und allen Besuchern – insbesondere natürlich dem aus Trier stammenden Opernstar Franz Grundheber und dem Kurator der Ausstellung, Günther Nicolin.

Vernissage und Finissage waren Höhepunkte der Ausstellung zum  „Deutschrömer“. Einen über Rom hinausweisenden Akzent erhielt die Vernissage  durch den Vortrag von Frau Dr. Sieghild v. Blumenthal mit dem Thema „Resümee  eines Lebens – Stefan Andres’ Roman ‚Die Versuchung des Synesios’“. In das Zentrum der Aufmerksamkeit rückte damit ein Werk von Andres, das Vermächtnischarakter hat und das erst 1971, also im Jahr nach seinem Tod,  veröffentlicht wurde.

Wie sehr der Roman immer noch bzw. schon wieder große Aktualität in sich  birgt, zeigt sich z. B. in der Tatsache, dass R. Gansers Rezension des Films „Agora – Säulen des Himmels“ von A. Amenábar ausdrücklich auf Andres Bezug  nimmt mit den Worten: „In seinem Roman ‚Die Versuchung des Synesios’ widmet Stefan Andres das  erste Kapitel dem ‚Tod der Hypatia’ und beschreibt ihre Widersacher so: ‚Man sah  es diesen Männern aus der Wüste an, wie sehr sie das Weib hassten!’ Wobei  ‚das Weib’ nicht nur Hypatia, sondern das ganze weibliche Geschlecht meint.“  (Süddeutsche Zeitung vom 28. April 2010)

Einen Vorgeschmack auf den Roman, der auch Teil der seit 2007 im Wallstein Verlag erscheinenden Werkausgabe sein wird, sollen die Textausschnitte im Anhang  bieten.

Viel Freude beim Lesen der Auszüge und des Romans!

Für die Stefan-Andres-Gesellschaft mit freundlichen Grüßen

Ihr Wolfgang Keil

Anhang:

Als Überleitung zum Roman eignen sich die Ausführungen von Frau v. Blumenthal zu den Protagonisten:

„Prisca, so nennt Andres die Ehefrau des Synesios, hat nach dem Tod ihrer Kinder, dem Tod ihres Mannes Kyrene verlassen, nachdem dort zudem ihrer beider Widersacher das Bischofsamt übernommen hat und damit die Kirche einem machtgierigen, engstirnigen und unwahrhaftigen Christentum überlassen ist. Prisca nimmt Zuflucht bei ihrem Schwager in Alexandria, um dort in der Ich-Form aufzuschreiben und weiterzugeben, was sie erlebt hat.“

(Auszug aus S. v. Blumenthals Vortrag „Resümee eines Lebens – …“ –  jetzt als Abdruck des Manuskripts in den „Mitteilungen der Stefan-Andres-Gesellschaft“ von 2010)

Wir begegnen Prisca, die im Roman als Erzählerin fungiert, in Alexandria, dem Ort der Ermordung Hypatias:

„Herbst vorigen Jahres kam ich hier an, krank und müde. In einem Zimmer in der Stille dieses großen Hauses über dem Hafen saß ich allein mit meinen Erinnerungen. Meine Spaziergänge verrichtete ich auf dem Dach. Selbst ein Besuch bei Professorin Hypatia schien mir unmöglich, wiewohl mir Gellios nahelegte, es bald zu tun, da man nicht wisse, wie lange noch der Stellvertreter des Kaisers, der gütige Orest, es vermöchte, den Zorn des Patriarchen Kyrillos von der Frau abzuhalten, die es wagte, statt Christus Platon zu verkündigen und in den meisten Stücken eine vom Patriarchen verschiedene Meinung in ihrem Musaion vortrug.

Ich muß gestehen, dass ich diese Frau immer noch bewunderte, wenn auch meine Liebe zu ihr, die mich einst genau wie Synesios erfüllt hatte, mit den Myrrhen der Bitterkeit durchsetzt war.

Ich konnte sie nicht dem Urteil der Christen überlassen, mit denen ich in diesen ersten Monaten in Alexandria gelegentlich zusammentraf, konnte aber auch nicht wie Synesios ihren Geist in Liebe verehren. Eines Tages würde ich zu ihr hingehen, aber diesen Tag schob ich immer wieder hinaus, sobald ich ihrer letzten und vor allem ihrer dann nicht mehr geschriebenen Briefe an den Bischof Synesios gedachte und sein Gesicht vor mir hatte, wenn er von ihr sprach oder seine an sie gerichteten und unbeantworteten Briefe diktierte. Hypatia hätte es wissen müssen, sagte ich oft zu mir, als ich mich besser fühlte und auch dann noch ihre Vorlesungen mied, ja sie konnte es wissen und wusste es, wer dieser ihr Schüler war, warum er aus dem älteren Licht in ein neues weitergeschritten und auch hier sich nicht ganz beschienen fühlte, sondern von fernerem Licht träumte. Synesios hatte das, was ein Mensch glaubte, sagte oder tat, nie ganz ernst genommen; er sah ihn auf seinem Weg und war sanft zu ihm und geduldig, selbst mit seinen Feinden. Hypatia dagegen verhielt sich zu den Menschen denkend, machte sie zu geometrischen Figuren, und wer mit dieser Denkweise nicht mehr zu erfassen war, den überließ sie sich selbst, worin die Anmut ihrer Klarheit bestand, aber zugleich ihre Grenzen sichtbar wurden. Ich war ihr nie abgeneigt, so wenig wie dem Platon oder einem anderen Philosophen, die sie uns, als wir noch jung waren, interpretierte. Aber ich wusste immer – und das habe ich bei Synesios gelernt –: dass die Erkenntnis der Wahrheit nicht das Letzte für den Menschen ist, sondern – aber das möchte ich an dieser Stelle noch nicht sagen, ich habe Zeit.“

(Auszug aus: Stefan Andres „Die Versuchung des Synesios“, München 1971)

 

Rundbrief Nr. 40 – September 2010

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Andresianerinnen und  Andresianer!

Die beiden Lesungen mit Franz Grundheber am 8. und 9. Sept. haben mehr als  200 Gästen auf eindrucksvolle Weise ein Panorama des Schaffens von Stefan Andres  zu Gehör gebracht.

Nun wird die Ausstellung „Stefan Andres – Der Deutschrömer“ den Blick der Besucher auf die letzten Jahre des Schriftstellers richten.
Günther Nicolin  hat als Kurator dafür gesorgt, dass sich dem Besucher neue Einsichten auftun,  die das Leben und Schaffen von Andres während des „römischen“ Jahrzehnts  kennzeichnen. (Einladung im Anhang)

Die Möglichkeit zu einem literarisch-philosophischen Spaziergang durch die  Gassen Roms gewährt Ihnen die kleine Erzählung „Lustrascarpe“. (Text des Kasus  im Anhang)

Ist Ihnen zudem an einer Wanderung in der Nähe des Geburtshauses von Stefan Andres gelegen, so begeben Sie sich mit uns am 3. Oktober in die sog.  Traumschleife „Wasser Dichter Spuren“. (Einladung im Anhang)

Schließlich bietet sich zur Spurensuche unsere Fahrt nach Marbach und zu dem dortigen Deutschen Literaturarchiv an. (Einladung im Anhang) Wir freuen uns über Ihr Interesse!

Für die Stefan-Andres-Gesellschaft mit freundlichen Grüßen

Ihr Wolfgang Keil

 

Rundbrief Nr. 39 – 2010

„Lyrik – Legenden – Anekdoten“

Franz Grundheber liest Stefan Andres

am Mittwoch, 8. September – 19.30 Uhr – in der Schweicher Synagoge

am Donnerstag, 9. September –  19.30 Uhr – in der Aula des Angela-Merici-Gymnasiums

Eintritt: 5 €,  Schüler und Studenten frei

Einladung

Franz Grundheber, der weltbekannte Opernstar, liest Lyrik, Legenden und Anekdoten von Stefan Andres.

Der in Trier geborene berühmte Bariton hat sich bereit erklärt, als Rezitator von Werken aus der Feder des ebenfalls aus der Region stammenden Stefan Andres aufzutreten. – Er tut dies, um die Stefan-Andres-Gesellschaft bei der Pflege des literarischen Erbes des Schriftstellers zu unterstützen.

Die Lesung wird sich in drei Sequenzen gliedern:

Die Welt als Schöpfung. – Die prekäre Entwicklung der Welt. – Der schöpferische Mensch.

Dabei werden Texte zum Vortrag kommen, die unterschiedlichen Gattungen angehören, sodass das stimmliche Repertoire des lesenden Baritons Franz Grundheber zum Klingen kommen wird.

Die für die Sequenzen vorgesehenen Texte waren bisher fast alle in den Archiven verschollen. Ihr Vortrag durch Franz Grundheber wird daher dem Publikum einen nahezu unbekannten Andres zu Gehör bringen.

Außerdem haben einige der Anekdoten politische Untertöne. Sie sind daher aufschlussreiche Beispiele für das „verdeckte Schreiben“, das Stefan Andres angesichts der Zensur mit künstlerischem Scharfsinn entwickelt hat.

Die musikalische Umrahmung liegt in den Händen von Gerd Demerath (Synagoge) und von Herrn Ulrich Krupp (Angela-Merici-Gymnasium).

Im Anschluss an die Rezitation ist bei einem Glas Wein eine Begegnung mit Franz Grundheber möglich.

Interessierte möchten sich bitte rechtzeitig bei uns melden:

Conni-Pelzer@web.de oder wokeil@aol.com – Tel.: 0651/67177

Wir freuen uns auf Ihr Erscheinen!                                                        Ihre Stefan-Andres-Gesellschaft

 

Rundbrief Nr. 38 – Im Juli 2010

Sehr geehrte Damen und Herren,

liebe Leserinnen und Leser!

In der Jahresversammlung der StAG gedachten wir der vierzigsten Wiederkehr des Todestages von Stefan Andres. Es wurden zwei Dokumente verlesen, die an den schicksalhaften 29. Juni 1970 in Rom erinnern sollten (s. Anhang):

Der Brief von Dorothee Andres ist uns unlängst von der Familie des Germanisten Hans Bänziger für das StA-Archiv in Schweich übergeben worden. Das Dokument hat Vermächtnis-Charakter.

Die Schilderung der letzten Tage von Stefan Andres (s. Anhang) bildet den Schluss der Erinnerungen von Dorothee Andres: ” ‘Carpe Diem!’ Mein Leben mit Stefan Andres”, Bonn 2009.

Termine:

Opernsänger Franz Grundheber konnte für Andres-Lesungen in Schweich ( 8. Sept. 2010) und Trier ( 9. Sept.) gewonnen werden. Grundheber wird u.a. wiederentdeckte Texte von Stefan Andres rezitieren.

Vom 24.Sept.2010 (Vernissage) bis zum 22. Okt.2010 (Finissage) präsentieren G. Nicolin und Prof. Dr. Embach in der Stadtbibliothek Trier die Ausstellung “Stefan Andres - der Deutschrömer”.

Es wäre schön, wenn Sie sich diese Termine vormerken würden.

Im Namen des Vorstandes der StAG sende ich freundliche Grüße

Ihr  Wolfgang Keil

 

Rundbrief Nr. 37 – 30.April  2010
Sehr geehrte Damen und Herren,

Emil Angel ist ein mehrfach ausgezeichneter Luxemburger Autor  und aktives Mitglied der Stefan-Andres-Gesellschaft.

Nun ist von ihm eine zweisprachige Glossensammlung erschienen  mit dem Doppeltitel ”Von  Hippches op Haapches / Vom Hundertsten ins Tausendste”.

(Das unterhaltsame und nachdenkliche Buch ist der erste Band  der Reihe “Hüben &  Drüben / Des Säit & Déi Säit”. Die Reihe  hat das Ziel, die
Gemeinsamkeiten und Unterschiede diesseits und jenseits der  deutsch-luxemburgischen Grenze kulturell zu explorieren und literarisch zu  exponieren.)

Mit dem Autor Emil Angel laden wir ein zu einer Lesung seiner scharfsinnigen und humorvollen  Glossen für Freitag, den 7. Mai (17.00  Uhr), in den Niederprümer Hof in Schweich.

Als “Zugabe” wird bei einem Glas Wein der Kurzfilm “Den  Tömpel” von Emil Angel zu sehen sein..

Wir würden uns freuen, Sie zu dieser  letzebuergesch-däitschen Lesung begrüßen zu können. Der Eintritt ist frei.

Für die StAG mit freundlichen Grüßen

Ihr Wolfgang Keil

S. Anhang:
Dass auch Stefan Andres viel mit Luxemburg verband, erfahren  wir von seiner Frau Dorothee Andres in ihrem Erinnerungswerk “‘Carpe Diem!’ Mein  Leben
mit Stefan Andres”.  Viel Vergnügen auch bei dieser Lektüre!

Der folgende Auszug schildert eine Fahrt des Ehepaares Andres von Trier ins Nachbarland Luxemburg. Die Passage findet sich im Kapitel „1948“ des 2009 veröffentlichten Bandes „’Carpe Diem!’ Mein Leben mit Stefan Andres“ aus der Feder von  Dorothee Andres, der Frau des Schriftstellers.

In der Schilderung der Fahrt über die Grenze zeigt sich das „Hüben und Drüben“ in der Unterschiedlichkeit der Lebensverhältnisse. Im Nachkriegsdeutschland erschien den deutschen Bewohnern der Grenzregion Luxemburg geradezu als das „Gelobte Land“:

1948

… Für die Fahrt ins „Ländchen“, wie dieser kleine Staat liebevoll genannt wurde, bekamen wir wieder, aber natürlich nur bis zur Grenze, das Auto des Oberbürgermeisters mit Chauffeur. Alle Brücken waren zerstört und noch nicht wieder aufgebaut worden. Wir wurden an der hölzernen Notbrücke ausgeladen. Die dreierlei Grenzbeamten schüttelten ihre Köpfe über unsere Ausweise vom Schweizer Roten Kreuz. Das waren der deutsche Grenzschutz, die französischen Besatzungssoldaten und auf der anderen Seite die Luxemburger Grenzpolizisten. Dort erwartete uns „Onkel Alfons“, der Leiter des Gymnasiumsinternats. Er hatte die Jungen ein Willkommenslied einstudieren lassen, sie waren alle auf der Freitreppe postiert.

Der Tag des großen Wiedersehens! Endlich trafen wir auch Pierre Elcheroth wieder, der unsere Bice 1934 in Köln getauft hatte und im Jahre 1938 für uns Geld aus Luxemburg nach Paris geschmuggelt hatte, als Andres dorthin ziehen wollte, aber von bereits dort weilenden Emigranten beschworen wurde, den Zufluchtsort Positano nicht aufzugeben. Abends waren wir beim dritten Freund eingeladen. Auch er servierte uns, wie bereits mittags Pierre, Forellen. Und da wir alle mehr als beschwingt waren, in Luxemburg reichte man zum Kaffee „Quetsch“, Pflaumenschnaps, sagte Andres: „Mit uns ausgehungerten Deutschen könnt ihr das machen!“ der Erfolg war, wann immer wir in den folgenden Jahren in Luxemburg weilten, und das war häufig, gab es überall für uns stets Forellen … Bis Mitternacht mussten wir in Deutschland zurück sein. …

Und wie eine Bestätigung dieser Sicht und der guten Beziehungen zum Nachbarland liest sich auch der Anfang des folgenden Kapitels:

1954

In Luxemburg sollte zum ersten Mal nach dem Krieg ein Theater aus Deutschland gastieren; bisher gab es nur Aufführungen aus Paris. Man hatte „Gottes Utopia“ ausgewählt und beim Autor angefragt, zu welcher Bühnenfassung er rate. Er wählte die Inszenierung aus Krefeld. In dem Stück gibt es keine Frauenrolle, die Stimmen der Nonnen waren in einem Kölner Kloster auf Band aufgenommen worden. Als die Krefelder Schauspielerinnen von der Einladung ihrer Kollegen hörten, bestürmten sie den Intendanten, sie mitzunehmen. Er gab nach, und so standen zum ersten Mal in diesem Stück Nonnen auf der Bühne, die Gustaf Gründgens in der Düsseldorfer Fassung ganz bewusst gestrichen hatte.

Nach der Vorstellung gab es eine Einladung beim ersten deutschen Gesandten; alle waren angeregt, sodass sich der Abend lange hinzog. Gegen Morgen fragte mich ein Journalist, der keinen Tropfen trank, woran der Autor zurzeit arbeite. Anstatt ihm vom geplanten Roman „Reise nach Portiuncula“ zu berichten, zitierte ich den launigen Ausspruch einer Bekannten: „Ja, nach dem Knaben im Brunnen kommt nun wohl der Mann am Fass … Das stand dann am nächsten Tag in seiner Zeitung: ‚wie wir von der Frau des Autors erfuhren …’

 

Rundbrief Nr. 36 – Ostergrüße 2010

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Leserinnen und Leser!

Seit einigen Wochen verfügt das Archiv des Stefan-Andres-Museums im Niederprümer Hof in Schweich über Originale und Kopien eines ausgedehnten Briefwechsels von Stefan und Dorothee Andres mit dem bekannten Schweizer Germanisten Hans Bänziger.

Die Gabe versetzt uns in die Lage, vieles von dem wiederzuentdecken und zu ergänzen, was wir in “Carpe Diem!”, den Erinnerungen von Dorothee Andres, erfahren haben.

Mit den Worten von Dorothee und Stefan Andres zur Osterzeit im Jahre 1945 verbinden wir unsere besten Wünsche zum Osterfest 2010.

Im Namen des Vorstands der Stefan-Andres-Gesellschaft grüßt Sie

Ihr

Wolfgang Keil

Ostern in Positano gegen Ende des Krieges, wie die Frau des Schriftstellers es in ihren Erinnerungen unter der Kapitelüberschrift  „1945“ festgehalten hat:

„… Ostern fiel dieses Jahr auf den ersten April, Stefan schrieb am Ostermorgen das letzte Gedicht aus dem Requiem für ein Kind. Wir machten den Osterspaziergang auf den Monte Pertuso, die Stille und der Friede an diesem Ort waren wie ein Traum, denn die Kämpfe an den Fronten gingen weiter. …“

Dorothee Andres: „Carpe Diem!“ Mein Leben mit Stefan Andres, Bouvier Verlag, Bonn 2009

Das erwähnte Gedicht aus der Sequenz, die Stefan Andres anlässlich des Todes des ältesten Töchterchens verfasste.

Requiem für ein Kind

XXII

Und wieder ist’s, daß mich der Mandelbaum

Gemahnt an deiner Wangen zartes Glühn

Und an dein bäumchenstilles , kurzes Blühn –

Und tiefer tauch’ ich in des Frühlings Schaum.

Mein Auge schwimmt; ergossen wie das Licht,

Bleib ich dir, Mädchen, gläubig auf der Spur.

Wer je den Tod als Herbst und Raub erfuhr,

Sieht auch der Frühlingsgöttin ins Gesicht.

Doch erst muß ich verstehn mit fester Hand,

Wie Kinder tun, zu pflücken mir den Glanz

Vom Beet der Zeit, als wär er stets und ganz

Wie heute da, auch dann noch, wenn er schwand.

Heb du mir, Flücht’ge, dann dein Augenlid,

Weiß ich, woher – wohin der Frühling zieht.

 

Rundbrief Nr. 35 – Februar 2010

Liebe Leserinnen und Leser!

Die Vorstellung des Erzählbandes „Terrassen im Licht. Italienische Erzählungen“ von Stefan Andres (Hrsg. D. Richter – 2009) am Anfang dieses Monats hat eine erfreuliche Resonanz gefunden.

Die nächste Präsentation gilt der Glossensammlung „Von Hippches op Haapches“ aus der Feder unseres Mitglieds E. Angel. Reizvolle literarische Momentaufnahmen aus dem Alltag unseres Nachbarlandes werden Ende März im Niederprümer Hof in Schweich vom Autor in luxemburgischer und deutscher Sprache vorgetragen. (Genauere Angaben folgen.)

Jetzt schon möchten wir eine Veranstaltung ankündigen, die vom 10. bis 12. Mai an der Kath. Akademie stattfinden wird zu dem Thema „Heimatsuche(r)Regionale Identität und politisches Engagement bei Clara Viebig, Stefan Andres und Barbara Honigmann“.

In der Kooperationsveranstaltung der Kath. Akademie mit der Universität Trier, dem Institut für Lehrerfort- und Weiterbildung, der Landeszentrale für politische Bildung Mainz, der Stefan-Andres-Gesellschaft und der Clara-Viebig-Gesellschaft werden zu Einzelaspekten referieren:

Barbara Honigmann, Dr. Elisa Müller-Adams, Prof. Dr. Georg. Guntermann und Peter Krämer.

Anmeldungen bis zum 14. April bei: anmeldung.kat@bistum-trier.de

Stefan Andres zur Fastnacht

Im Anhang finden Sie einen Zusammenschnitt aus der Novelle „Die Vermummten“ – jetzt wieder veröffentlicht in: „Gäste im Paradies. Moselländische Novellen“ von Stefan Andres (Hrsg. H. Wagener – 2008).

Der Auszug liefert ein Beispiel für Andres’ Kunst, aus der scheinbaren Idylle das Grauen herausspringen zu lassen, wie das z. B. auch in „Die Reise nach Portiuncula“, „Der Mann von Asteri“ und in seinem Großwerk „Die Sintflut“  zu beobachten ist.

In der Novelle ist es die wurmige Vermummung, die aus Menschen Monster zu machen vermag.

am Aschermittwoch zu lesen

Die Vermummten

Nach allgemeinem dörflichem Brauch pflegte man früher im Trierer Land – wie auch anderswo – die Fastnachtsfreuden auf die drei Tage vor Aschermittwoch zusammenzudrängen, vielleicht aus dem Gefühl, dass durch die Häufung von selber Maß und Grenzen sich ergäben: denn wer am Sonntag übertrieb, musste den Montag überschlagen; der Fastnachtsdienstag aber war ein sehr zwiespältiger Gast und einem Tänzer von auswärts zu vergleichen, einem Burschen, der zuerst sich toll gebärdet und dann heimlich in der Nacht sich davonmacht.

Und dann kamen zur Türe herein die vermummten Burschen, die Faoßbocken, die von Haus zu Haus lärmten und überall Eintritt erhielten. Sie aßen aus der Schüssel mit eiligen Händen, dunsteten von Wein und bekamen noch ein Glas hinzu oder auch nur Viez, dort nämlich, wo man allein den Apfel-wein kelterte. Und sie scherzten täppisch mit verstellten Stimmen mit den Töchtern, die ihnen die Maskentücher zu lüpfen versuchten, bis endlich der Vater oder der Haus-Petter die lärmenden Gesellen langsam mit der Türe auf die Straße schob.

Dieses Ausschwirren der Faoßbocken, das heute in dieser Landschaft mehr und mehr ein Vorrecht der Jugend geworden ist, fand in dem kleinen Ort Bovisdorf in den achtziger Jahren einen jähen Abschluss infolge einer Begebenheit, deren Auswirkungen den uralten Brauch in Verruf brachten.

Es war nämlich am Fastnachtsdienstag geschehen, dass der siebenjährige Junge des damaligen Ortsvorstehers von zwei Masken derart erschreckt wurde, dass er den Verstand verlor; und der Vitus war der Sohn des reichen Ochsenkanzlers, wie man seinen Vater mit dem dörflichen Beinamen nannte.

In Köverich wusste man bereits von dem Unglück; und man sagte: der Vitus habe den Veitstanz, und die Leute wunderten sich darüber: wie ein Veit vom hl. Veit nicht besser in Schutz genommen sei. In Detzem wusste es noch niemand, und das tat Nikla leid; denn nun war er genötigt, selber vom Vitus und den Faoßbocken zu berichten. Denn wäre das noch ein Müller von echtem Schrot und Korn, wenn er eine so mundgerechte Fracht der Neuigkeit nicht obenauf in seinem Sacke trüge? Ja, die Leute würden sogar einander fragen, morgen oder übermorgen, wenn sie es erführen: warum wollte der Nikla nichts vom Unglück des Ochsenkanzlers erzählen? Ging es dem Nikla nicht nahe – oder zu nahe? Und wissen musste es der Müller des Ochsenkanzlers; – denn ein Müller weiß alles, er schaut in den heimlichsten Backtrog hinein.

Nun ja –, viel wusste er nicht; nur, dass der kleine Junge vom Ochsenkanzler so etwas wie einen Anfall bekommen hatte. In der Nacht – vielmehr im Dämmer – hinter dem Holzstoß – hatte der Vitus plötzlich Gespenster gesehen – ja, ja! Und es waren ihrer zwei, und die nahmen sich aus wie große Würmer. Würmer mir Füßen – die Cari sah sie weglaufen, – aber das war wohl sicher nur Aufregung! Gott, ja Kinder im Alter von sieben Jahren können auf allerlei Einfälle kommen, und sie sehen den Himmel und die Hölle offen –, der arme Vitus! – und auch die arme Cari, das geht ihr wohl nahe. – So erzählte Nikla, wo man es hören wollte: in Detzem, in Törnich, in Klüsserath.

Er schritt neben dem Wagen her, die Leine in der Linken; mit der Rechten hielt er sich an der Runge und ließ sich ein wenig ziehen. „Auf jeden Fall: weg damit!“ rief er plötzlich laut, dass die Pferde die Köpfe hoben und für ein paar Schritte strenger ins Geschirr gingen. Ja, weg damit! Das war nun seit gestern abend sein einziger Gedanke, der immer da war, so dass Nikla ihn schon gar nicht mehr merkte. Das Wurmkostüm, dieses gepolsterte, braunglänzende Wulstgewand, mit dem ekelhaft schlep-penden Schwanz, diese zwei Wurmkostüme – weg damit!

Nikla musste über sich selber den Kopf schütteln: zwei Taler hatte dieser Unfug gekostet, dieser jämmerliche Unfug; weil der Stoff feuerfest sei, hatte der Hausierer gesagt und ein Streichholz an das Zeug gehalten. Zwei Taler! – Aber das hatten sie vielleicht nur deshalb bezahlt, weil sie so ein Zeug noch nie gesehen hatten, weil man da hineinschlüpfen konnte und so grässlich aussah, dass der Hanni vor ihm und er vor dem Hanni, als sie sich beide im Garten hinter der Scheuer des Dusemonter Michel angezogen hatten, zurückwich, so dass sie sich erst mit ihren halberstickten Stimmen brüderlich anlocken mussten.

Und in solchem Anzug geht man dann vor die Tür des Ochsenkanzlers …

(in: Gäste im Paradies. Moselländische Novellen, Wallstein Verlag, 2008)

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